Was ist Minimalismus?

Minimalismus ist zu einem echten Trend geworden. Der amerikanische Konsumkritiker Dave Bruno trug entscheidend dazu bei. Im November 2008 reduzierte er seinen Besitz auf 100 Dinge und schrieb ein Buch über seine Erfahrung. Seitdem gibt es immer mehr Bücher und Blogs zum Thema Minimalismus. Doch was steckt hinter dem Drang zum Wegwerfen? Was ist Minimalismus?

Man bekommt schnell den Eindruck, Minimalismus hieße mit weißen Wänden und möglichst wenig Möbeln zu leben. Dabei ist es egal, in welcher Farbe man seine Wände streicht oder wie viele Gegenstände man besitzt. Es gibt keine feste Grenze, ab der man ein „echter“ Minimalist ist.

Die Grundidee von Minimalismus

Minimalismus bedeutet Ballast abwerfen

Einfach gesagt heißt Minimalismus: Wir werfen Ballast ab, um uns mehr auf das Wesentliche zu fokussieren. Dabei empfindet jeder von uns etwas anderes als Ballast. Wir können selbst bestimmen, was Minimalismus für uns ist.

Die einen trennen sich von ungenutzten Gegenständen, die keine Freude bereiten. Hier helfen Methoden zum Ausmisten. Andere beenden Beziehungen, die ihnen zu viel Energie abverlangen. Wieder andere geben Tätigkeiten auf, die ihnen nicht dabei helfen, ein wichtiges Ziel zu erreichen.

Minimalismus bedeutet mehr Raum für die wichtigen Dinge schaffen

Die Grundidee ist weniger Zeit, Geld und Energie für unwichtige Dinge im Leben zu verschwenden. Dadurch erkennen wir, was uns im Leben wirklich wichtig ist.

Wichtig ist aber auch zu verstehen, was Minimalismus nicht ist. Es reicht nicht, wenn wir einmal unser Haus oder unsere Wohnung ausmisten. Minimalismus ist ein Lebensstil, für den wir uns jeden Tag aufs Neue entscheiden. Indem wir uns immer wieder fragen: Was ist mir wichtig? Welche Ziele möchte ich erreichen? Was macht mir Freude im Leben?

Der Ursprung des Minimalismus

Die Idee eines einfachen Lebens ist nicht neu. In vielen Religionen war ein einfaches Leben schon immer erstrebenswert. Der Verzicht auf materiellen Besitz hilft sich auf die Bindung zu Gott zu konzentrieren. Weltliche Ansätze zum einfachen Leben gab es bereits in der Antike.

Rund 400 Jahre vor Christus lebte der Philosoph Diogenes von Sinope ganz bewusst mit wenig Besitz. Er schlief er in einem Fass und besaß einen Mantel, einen Rucksack und einen Stock. Als Alexander der Große ihm einen Wunsch gewährte, sagte er nur: „Geh mir ein wenig aus der Sonne“.

Was an Minimalismus heute wieder interessant ist

Wir fühlen uns von unserem Besitz erdrückt

Heute merken wir oft bei einem Umzug zum ersten Mal, wie viele Dinge wir im Laufe der Zeit angehäuft haben. Im Durchschnitt besitzen Deutsche rund 10.000 Gegenstände. Die Auswahl in den Geschäften war noch nie so groß wie heute.

Im Internet und auf sozialen Medien werden wir ständig mit personalisierter Werbung konfrontiert. Dadurch entstehen bei uns Wünsche, von denen wir noch gar nichts wussten. Zu viel materieller Besitz wirkt belastend. Viele erleben es als befreiend, wenn sie zum ersten Mal bewusst Dinge wegwerfen.

Zu viele Optionen machen uns müde

Einerseits haben wir so viele Möglichkeiten wie nie zuvor, andererseits macht genau das unser Leben kompliziert. Das fängt bei der Zahnpasta im Supermarkt an. Möchte ich lieber Minz-, Kräuter- oder Erdbeergeschmack? Zahnpasta mit Aktivkohle, Whitening-Effekt oder schmerzstillenden Zusätzen?

Auch beruflich haben wir viel mehr Optionen als vorher. In Deutschland gab es im letzten Semester mehr als 19.000 Studiengänge. Wie wählt man da den Richtigen und welchen Beruf ergreift man danach? Um unsere Flexibilität zu beweisen, wird heute empfohlen alle drei Jahre den Job zu wechseln.

Privat fragen wir uns, ob die Ehe wirklich das Richtige für uns ist. Wir könnten doch auch eine offene Beziehung führen oder polygam leben.

Unsere Lebensgeschichte hat an Geradlinigkeit verloren. Das macht uns unabhängig, aber kann auch die Psyche überfordern. Dadurch entsteht bei vielen von uns die Sehnsucht nach einem einfachen Leben.

Wir möchten bewusster konsumieren

Für viele gehören Minimalismus und Nachhaltigkeit eng zusammen. Soziale Verantwortung und Nachhaltigkeit sind wieder wichtige Themen geworden. Nicht zuletzt durch die globale Klimaschutzbewegung “Fridays for Future” und Netflix-Dokus wie „Cowspiracy“.

Minimalismus beinhaltet daher auch bewusstes Konsumieren und Entsorgen. Wir können zum Beispiel weniger Fleisch essen, seltener fliegen und mehr Strom sparen. Beim Ausmisten können wir ungenutzte Gegenstände verschenken, spenden oder verkaufen.

Welche Vorteile bringt Minimalismus?

Minimalismus schafft Klarheit

Wir denken mehr über uns selbst nach und darüber was uns wirklich wichtig ist. Außerdem erkennen wir unsere Ziele und was ihnen im Weg steht. Auf dem Weg zum minimalistischen Leben lernen wir viel über uns selbst.

Warum habe ich eine riesige Bücherwand, obwohl ich die meisten Bücher nie wieder gelesen habe? Was sagt es über mich aus, wenn ich in meiner Wohnung keine extra Tasse für Besucher habe? Fühle ich mich nicht immer schuldig, wenn ich die ungenutzten Hanteln in der Ecke sehe?

Minimalismus wirkt befreiend

Es hilft, wenn wir uns von Dingen trennen, die uns immer ein schlechtes Gefühl geben. Zum Beispiel von den Hanteln, die uns immer an den eigenen Schweinehund erinnern. Oder indem wir uns von Energievampiren aus unserem Leben verabschieden. Dafür haben wir wieder mehr Zeit für die Menschen, die uns gut tun.

Minimalismus sorgt für mehr Achtsamkeit

Wir erleben mehr Freude, wenn wir die kleinen Dinge des Lebens bewusst genießen. Macht es wirklich glücklich, wenn ich am Schreibtisch ein Stück Kuchen esse, während ich eine Mail beantworte? Ich könnte doch auch eine bewusste Pause einlegen und danach mit neuer Energie zurück an die Arbeit gehen.

Minimalismus schafft Zeit

Materieller Besitz kostet Zeit. Es fängt bei der Auswahl an und hört mit der Entsorgung auf. Dazwischen fällt noch Zeit für die Nutzung, Pflege und Wartung an. Dabei beschweren wir uns doch alle häufig über zu wenig Zeit. Wer weniger Dinge besitzt, hat mehr Zeit für Erlebnisse mit Familie und Freunden. Oder auch mehr Zeit für sich selbst und persönliche Weiterentwicklung.

Minimalismus nimmt Angst

Minimalisten brauchen oft weniger Platz und ziehen daher in eine kleinere Wohnung. Viele entscheiden sich auch dafür ihr Auto abzuschaffen. Durch bewussten Konsum können wir mit Minimalismus Geld sparen. Dadurch müssen wir uns weniger um hohe Rechnungen sorgen. Das heißt natürlich nicht, dass Minimalisten kein Haus oder Auto besitzen dürfen.

Minimalismus unterstützt Nachhaltigkeit

Wer weniger besitzt, legt oft Wert auf langlebige Produkte von hoher Qualität. Wenn wir seltener neue Dinge kaufen, können wir auch mehr auf eine faire Herstellung achten. Viele setzen auf Produkte ohne Plastik, sodass bei der Entsorgung weniger Müll anfällt. Wir können Müll auch vermeiden, indem wir Gegenstände verschenken, spenden oder tauschen.

Das Wesentliche in Kürze

  • Minimalismus heißt Ballast abwerfen, um sich auf das Wesentliche zu fokussieren.
  • Nicht nur Gegenstände können belasten, sondern auch Beziehungen und Tätigkeiten.
  • Man entscheidet sich jeden Tag aufs Neue für einen minimalistischen Lebensstil.
  • Bereits in der Antike lebten einige Philosophen ein minimalistisches Leben. 
  • Minimalismus sorgt für mehr Klarheit, Achtsamkeit und Zeit im Leben. Außerdem steht Minimalismus im Einklang mit Nachhaltigkeit.

3 Gedanken zu „Was ist Minimalismus?

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