Was Ausmisten und Entrümpeln mit dir macht

Was Ausmisten und Entrümpeln mit dir macht
Was Ausmisten und Entrümpeln mit dir macht

#004 Transkript

Thomas: Willkommen zum genug-Podcast. Dem Podcast über Minimalismus und unkomplizierte Lebensweise. Wir sind Thomas und Jennifer – die beiden Hälften des genugteams. Unsere heutige Folge: Was Ausmisten und Entrümpeln eigentlich mit dir macht!

Warum beschäftigen wir uns mit Ausmisten und Entrümpeln?

Thomas: Und um ein bisschen ins Thema einzusteigen, frage ich jetzt einfach mal die Jennifer: Warum mistest du aus? Also aus welchem Anlass, aus welchem Gedankengang heraus? 

Jennifer: Bei mir ist es entweder so, dass ich mich von etwas genervt fühle und das wiederholt. Dass ich etwas suche in meiner Wohnung und ich finde es zigmal nicht. Mein Blick fällt schon wieder auf etwas, das mir eigentlich nicht wirklich gut gefällt. Und dann stört es mich einfach, dass es da ist. Ich frage mich, wieso ich da überhaupt jemals Geld für ausgegeben habe. Oder warum ich mich immer noch nicht darum gekümmert habe, dass es nicht mehr da ist. 

Jennifer: Es mir hilft mir aber auch mich zu konzentrieren oder produktiv zu sein, wenn ich in einer ordentlichen Umgebung bin. Also wenn ich nicht so viel um mich herumstehen habe, auf meinem Schreibtisch nicht zig Sachen rumliegen. Wenn man ausgemistet hat, dann kann man auch leichter Ordnung halten und es ist leichter den Kopf frei zu halten, wenn man sich mal wirklich auf etwas fokussieren muss. Ja, das sind so meine Gründe. Aber ich denke das ist auch bei jedem ein bisschen anders und deshalb bin ich neugierig, wie es eigentlich bei dir ist. 

Thomas: Bei mir selbst kommt es dazu immer genau dann, wenn mir irgendetwas massiv auf die Nerven geht. Wenn etwas bloß im Weg rumsteht oder ich merke: Etwas wird nicht benutzt, staubt nur ein. Bestes Beispiel ist dafür auch eine meiner früheren Spielekonsolen. Von denen ich immer dachte: Irgendwann in einer stillen Stunde setzt du dich mal damit hin, aber diese stille Stunde kam nie. Und dann fängt man an alles so ein bisschen zusammen zu sammeln und spendet das dann zum Beispiel, was ich ganz gerne mache. Und damit sind wir auch quasi bei unserem Hauptthema: Es geht ja gar nicht mal darum wie man ausmistet, sondern darum wie man sich dabei und insbesondere danach eigentlich fühlt.

Wie fühlen wir uns beim Ausmisten und Entrümpeln?

Jennifer: Ich persönlich merke schon direkt beim Ausmisten, dass es mir auch ein bisschen Spaß macht. Ich bin vor allem Anfang immer ziemlich motiviert und mache das dann auch nicht nur zehn Minuten oder drei Teile auf einmal. Meistens fange ich bei einer Schublade an und habe mir auch nicht viel mehr vorgenommen, weil mich darin eine Sache gestört hat. Und dann steigert man sich dabei so rein und plötzlich habe ich das ganze Regal ausgemistet. Dann fällt es einem eher schwer aufzuhören, zumindest ist das bei mir persönlich so.

Jennifer: Ich merke aber auch, dass es gut ist, wenn ich die Sachen dann nochmal ein bisschen stehen lasse. Ich packe dann alles zusammen, wo ich denke: Davon könnte ich mich jetzt trennen. Während des Ausmistens bin ich auch immer ziemlich entschlossen und denke: Ach, das brauchst du alles nicht, das hat gar keinen Sinn für dich, du hast dafür gar keinen Zweck mehr. Ich bin da sehr pragmatisch und freue mich immer, wenn das Regal leerer und leerer wird. Wenn die Sachen dann da stehen, überlege ich manchmal aber zwei Tage danach, ob ich das ein oder andere vielleicht doch noch mal zurück stelle. Vielleicht ein Buch, was mir doch besser gefallen hat, als mir klar war oder sowas. 

Genau überlegen was sinnvoll ist

Jennifer: Ja, das ist dann eine Phase, wo ich schon manchmal noch mal sehr kritisch überlege und hinterfrage: Müsste ich das jetzt nicht weg tun, wenn ich ein echter Minimalist bin und das auch ernst nehme? Ist es denn in Ordnung, wenn ich da einzelne Sachen vielleicht noch mal rausnehme und zurückstelle? Und am Ende passiert es dann oft, dass ich einzelne Sachen noch mal rausnehme, mich von dem Rest dann aber auch trennen kann und dann auch einfach froh bin, dass es weg ist. Wie ist das denn bei dir? Nimmst du das ähnlich wahr oder ist es ganz anders bei dir während du ausmistest? 

Thomas: Zunächst mal würde ich bei der Tätigkeit an sich ganz und gar nicht von Spaß sprechen. Weil der Aufwand einen zum Teil einen Tag lang oder so beschäftigt, wenn man sich das mal fokussiert vornimmt. Ich bin dafür ziemlich zufrieden mit den Resultaten. Man findet Dinge leichter wieder, man hat mehr Platz, mehr Bewegungsfreiraum. Man hat unter Umständen auch neue Möglichkeiten. Wenn du ein Möbelstück wegwirfst, dann ersetzt du es unter Umständen durch ein neues. Und das ist eventuell praktischer, zweckmäßiger, leichter zu verwenden. Ich habe das kürzlich im Artikel schon erwähnt, wie ich einen Schuhschrank hatte, den ich überhaupt nicht mochte und durch eine Jackengarderobe ersetzt habe. Weil es mir viel wichtiger erschien, Jacken aufhängen zu können als Schuhe weg zu stellen. Weil ich tatsächlich dann doch mehr Jacken als Schuhe habe. 

Wie verändert uns das Ausmisten und Entrümpeln gedanklich?

Jennifer: Was auch zeigt, dass es beim Ausmisten gar nicht mal darum geht, möglichst die ganze Wohnung leer zu kriegen. Sondern man kann sich auch durchaus neue Teile kaufen, wenn die einem dann mehr Sinn im Leben bringen. Also wenn man die dann auch wirklich benutzt im Gegensatz zu der Alternative, die man vorher entsorgt hat. Generell ist es so, dass das Ausmisten einen dazu bringt, während man es tut wirklich viel über die eigenen Besitztümer nachzudenken. Eigentlich immer, wenn man einen Gegenstand in die Hand nimmt und darüber nachdenkt: Soll ich den jetzt wegwerfen? Brauche ich den wirklich noch? Bringt der mir etwas im Leben? Man stellt sich all diese Fragen und ist wahrscheinlich selbst überrascht, wie viele Dinge man dann doch irgendwie angehäuft hat, die man gar nicht braucht.

Jennifer: Man ist manchmal aber auch positiv überrascht, wenn man vielleicht noch mal über alte Erinnerungsstücke stolpert. Wenn man zum Beispiel alte Zeichnungen findet, die man als Kind gemalt hat und dann feststellt, dass das eigentlich ein tolles Hobby war, was man gerne gemacht hat und vielleicht mal wieder machen möchte. Und vielleicht kauft man sich danach sogar wieder neue Zeichenausrüstung oder sowas und hat dadurch auch wieder eine Neuanschaffung. Aber ich glaube, das ist auch in Ordnung, dass man nicht immer nur rigoros alles wegwirft, sondern sich danach auch wieder neu erkennt. Wer ist eigentlich dieser Mensch in mir drin? Welche Dinge sind diesem Menschen eigentlich wichtig? 

Thomas: Ja ich denke, das ist ein total wesentlicher Punkt, den du da ansprichst. Denn es ist nicht das Aussortieren alleine, was irgendetwas mit einem tut, sondern eigentlich das kritische Reflektieren und sich damit Auseinandersetzen: Was ist mir wichtig? Was für eine Person bin ich eigentlich? Was für Dinge brauche ich im Alltag? Und welche Dinge liegen mir ernsthaft aus dem ein oder anderen Grund am Herzen? Man wird sich einfach ein Stück klarer darüber, wer man selbst eigentlich ist. Und letzten Endes würde ich niemals irgendwem dazu raten, sich von etwas zu trennen, was ein Stück weit die eigene Identität widerspiegelt. Weil wenn man die nicht für sich behält, was soll man denn dann noch behalten? Und daher denke ich es ist also schon wichtig, dass man das behält, womit man sich auch wirklich identifiziert. 

Es ist ein bisschen wie mit den Gewohnheiten…

Jennifer: Neuerdings beschäftigen wir uns in unseren Artikeln ja auch mehr mit Gewohnheiten. Und ich muss sagen, ich erkenne auch ein paar Parallelen zu dem Ausmisten. Weil bei Gewohnheiten ist es auch so, wenn man sich schlechte Gewohnheiten abgewöhnen möchte. Es hilft, wenn man sogenannte Trigger oder Auslöser einfach aus dem Weg schafft. Wenn man zum Beispiel aufhören möchte Süßigkeiten zu essen, dann einfach keine Süßigkeiten kaufen. Oder sie vielleicht in einer extra Kiste oder so zu Hause verstecken. Dass man nicht immer daran vorbeigeht, die Süßigkeiten sieht und dann zu den Süßigkeiten greifen möchte. Und genau so funktioniert das auch bei positiven Gewohnheiten. Wenn man jeden Tag zeichnen möchte zum Beispiel. Sich seinem Hobby wieder ein bisschen mehr widmen möchte. Man sich dann einfach seinen Malblock oder sein digitales Zeichentablet bereitlegt und gar nicht erst anfangen muss, das alles auszupacken und sich da selbst Hürden schafft.

Jennifer: Und beim Ausmisten ist es auch so, dass man dann feststellt, welche Dinge sind eigentlich die wirklich wichtigen. Und die kann man sich dann auch in den Fokus rücken und vielleicht auch besonders schön ausstellen oder diesen Dingen einfach mehr Platz geben. Weil nicht mehr so viele andere Dinge davon ablenken. Oder man die Dinge, die wirklich wichtig sind, dann im Schrank verstecken muss. Weil stattdessen irgendwelche anderen Dinge, die einem gar nicht so viel bedeuten, die Sicht darauf versperren.

Was zu mir passt und was nicht

Jennifer: Und genauso sind all diese Dinge, die man dann ausgemistet hat, auch Dinge, die einem vielleicht die ganze Zeit über ein schlechtes Gefühl oder ein schlechtes Gewissen gegeben haben. Was man dann wortwörtlich einfach nach draußen weggeben kann. Wie zum Beispiel, wenn man sich mal irgendein Sportgerät gekauft hat. Dann schaut einen der Bauch Trainer oder so jedes Mal ganz anklagend an, wenn man daran vorbei geht und wieder mal nichts damit macht. Wir glauben, man muss sich da nicht zu zwingen, dann plötzlich total sportlich zu werden, wenn man einfach nicht so ein Mensch ist und das auch nicht sein möchte. Sondern dann erkennt man das einfach beim Ausmisten und kann sich wirklich davon trennen und auch von diesen schlechten Gefühlen, die immer damit verbunden sind. 

Thomas: Zusammenfassend könnte man also sagen, dass es sich beim Ausmisten und Ballast abwerfen ähnlich verhält wie bei schlechten Gewohnheiten. Sozusagen aus den Augen, aus dem Sinn. Was mich belastet, was mich nach unten zieht. Was irgendwie nicht gut für mich ist oder was ich als nicht gut für mich empfinde. Das schaffe ich aus meinem direkten Umfeld einfach komplett raus. Und rücke das in den Mittelpunkt, was mir wirklich wichtig ist, was ich tun will und, was mir etwas bedeutet. 

Thomas: Falls euch die Folge gefallen hat, lasst uns gern einen Like da, abonniert uns, folgt uns und abonniert auch gerne unseren Newsletter. Bis zum nächsten Mal!

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