Warum Nachlässigkeit all dein Momentum nimmt

Nachlässigkeit was tun

Mit Ausmisten und Kram entsorgen befassen wir uns ja ziemlich oft, aber viel spannender ist doch die Frage: Wie sammelt sich Ballast im eigenen Leben an, ohne dass man es merkt, wenn man nur “einmal kurz” nicht darauf achtet? Heute geht es mal nicht so sehr um das Ausmisten, sondern warum das “einmal kurz nicht genau auf etwas achten” die Ursache ist und meistens eine ganz lange Kette hinter sich herzieht. Denn eine kleine Nachlässigkeit führt sehr schnell zu einer größeren.

Was ist Nachlässigkeit?

Auf morgen verschieben

Wann immer man etwas auf später oder morgen verschiebt, was man sofort erledigen könnte, ist man nachlässig. Das mag der Müll sein, den man rausbringen muss oder ein Abo das man kündigen will. Auch bekannt unter den Namen “Aufschieberitis” oder “Prokrastinieren”, sorgt dieses Verhalten dafür, dass es in deinen Gedanken ja zum Glück immer ein weiteres “Morgen” gibt. Es fällt mit der Zeit immer leichter Sachen eben nicht sofort zu erledigen, sondern lieber auf die Todo-Liste zu schreiben. Selbst dann, wenn das auf die Todo-Liste schreiben fast genauso lang dauert. 

Zu spät kommen

Man kommt mal 5 Minuten zu spät zu einem Termin, dann 10 Minuten – und irgendwann ist einem auch eine halbe Stunde nicht mehr peinlich. Was man dabei gern vergisst oder ignoriert: Der Einfluss, den es auf alle anderen hat. Wenn ich zu spät zu einem Termin mit jemandem komme, verschwende ich die Zeit dieser Person. Wenn man darüber irgendwann gar nicht mehr nachdenkt, ist man bereits ziemlich nachlässig geworden

Versuchen statt machen

Man nimmt sich etwas vor oder schaut mal oder versucht früh ins Bett zu gehen. Man wird sich hinterher sagen: “Ich habs versucht.” In Wirklichkeit hat Yoda in Star Wars aber absolut recht: “Tu es oder tu es nicht. Es gibt kein Versuchen”. Wenn ich genau weiß, wann ich aufstehe, weiß ich auch wann ich dafür am besten ins Bett gehe. Und ja man kann mal zu spät zuhause sein, weil ein UFO auf der Bahnlinie nach Hause gelandet ist. Aber wenn ich seit 20 Uhr eine Serie anschaue, liegt es in meiner Hand, ob ich Punkt 10 das Licht ausschalte oder nicht.

Was ist Momentum?

Wann immer man in Schwung ist

Solange man in Bewegung ist, fällt es viel leichter den nächsten zu machen. Das kann man durchaus wörtlich nehmen. Wer schon mal gelaufen ist, wird wissen, dass die ersten paar Meter auch am anstrengendsten sind. Ähnlich verhält es sich mit allen Dingen. Konfuzius hat gesagt: “Es ist nicht von Bedeutung, wie langsam du gehst, solange du nicht stehen bleibst.” Besonders stark merkt man den Effekt, wenn alles andere um einen herum ausgeblendet wird. Solche Phasen haben vor allem Menschen in kreativen Tätigkeiten, die tagelang wie besessen an der gleichen Sache arbeiten und dabei völlig die Zeit vergessen.

Man weiß, was der nächste Schritt ist

Man kennt immer schon im Voraus den nächsten Schritt, den man machen muss. So wie man beim Joggen meistens seine Laufstrecke kennt und genau weiß, wann man wo abbiegen muss. Genauso weiß man, dass man den Müllbeutel zu machen muss, bevor man ihn nach draußen bringt. Und im Idealfall auch im Anschluss für einen Neuen sorgen sollte.

Man ist innerlich im Gleichgewicht

Rein wissenschaftlich betrachtet, werden verschiedene Hormone in einem solchen Zustand sehr gleichmäßig ausgestoßen. Hormone sind generell ein wichtiger Faktor bei Stoffwechsel, Funktion der Nerven und auch Stimmung. In Stresssituationen wird z.B. sehr viel Adrenalin ausgeschüttet, was zwar zusätzlich aufmerksamer und belastbarer macht, langfristig aber auch gesundheitliche Belastung darstellt. Gleichgewicht und gleichmäßiger Fluss ist dagegen gesund und macht innerlich zufrieden. Man ist quasi glücklicher und deutlich weniger gestresst.

Was Nachlässigkeit mit dir macht

Wenn man aus gutem Grund zu spät kommt, tut man das früher oder später auch aus einem schlechten

Samuel Mumm – einer der spannendsten Charaktere in der vom britischen Autor Terry Pratchett erfundenen Scheibenwelt – hat es auf einen sehr guten Punkt gebracht. Im Roman “Klonk!” sagt er: “Wenn man bis zu fünf Minuten gehen konnte, würden daraus schnell zehn, eine halbe Stunde, zwei Stunden …und dann sah man den Sohn den ganzen Abend nicht. Deshalb musste er pünktlich sein. (…) Keine Ausreden. (…) Wenn man eine gute Ausrede hatte, öffnete man die Tür für eine schlechte.” Denkt man diesen Gedanken weiter, läuft es wahrscheinlich darauf hinaus, dass man irgendwann völlig grundlos zu spät kommt. Ein sicheres Zeichen dafür, dass man extrem nachlässig geworden ist. Man entwickelt zu immer mehr Dingen des täglichen Lebens eine “Ist-mir-egal-Einstellung”. Was man aber selbst entscheiden kann, sollte einem niemals egal sein.

Wenn man einen faulen Apfel in eine Schale frisches Obst legt, ist es sehr schnell auch faul

Wie es Dr. Hirschhausen – ein Mediziner und Kabarettist – ausgedrückt hat: “Das Böse hat eine große Kraft” und sein Beispiel mit der Obstschüssel ist mir bis heute im Kopf geblieben. Und es stimmt wirklich, dass ein fauler Apfel, wenn man ihn in eine Schüssel frisches Obst legt, ganz schnell dafür sorgt dass es ebenfalls anfängt zu vergammeln. Umgekehrt funktioniert dieser Prozess leider nicht. Wir sehen also es ist ganz leicht faul zu werden, aber extrem schwer wieder damit aufzuhören. Zum Glück haben wir aber wenigstens die Chance damit aufzuhören – im Gegensatz zum Obst.

Was fehlendes Momentum mit dir macht

Es ist unheimlich anstrengend etwas ganz Neues anzufangen

Bleiben wir mal bei der Faulheit und einem kleinen Experiment, das ich selber schon mehrfach gemacht habe. Ihr kennt bestimmt alle diesen Anfall von Montagmorgen wo man einfach nicht aus dem Bett kommt, völlig übermüdet ist und sich irgendwie durch den Arbeitstag quält. Das kommt daher, dass man am Wochenende schön ausgeschlafen hat. Obendrauf hat man sich wahrscheinlich auch nur mit dem beschäftigt, was einem Spaß macht. Wenn man jetzt hergeht und auch am Wochenende zur gleichen Zeit aufsteht, dabei zusätzlich noch etwas produktives macht, dann wird es Montags wesentlich einfacher, so verrückt das klingt. Man hat sein Momentum behalten.

Man ist überfordert, wenn man nicht weiß, wo und wie man anfangen soll

Hat man sich selbst erstmal erlaubt in völligen Stillstand zu verfallen, steht man verwirrt vor dem was man hinterlassen hat und fragt sich zu recht, wo man eigentlich anfangen soll. Man kommt von der Arbeit, der Wäscheberg im Bad ist voll, der Kühlschrank leer und auf dem Schreibtisch stapeln sich Papiere. Das ist der Moment wo man sich denkt: “Nein danke, ich mach mir jetzt ein Bier auf und setz mich vor’s TV.” Nur der fortgeführte Stillstand wird nichts besser machen.

Die eigene Komfortzone wird immer kleiner

Die Dinge, die einem nicht übermäßig schwer vorkommen, werden immer weniger. Wart ihr schonmal über längere Zeit in einem Krankenhaus und musstet wochenlang im Bett liegen? erinnert ihr euch dann vielleicht daran, wie anstrengend die ersten paar Meter zu gehen danach waren? Natürlich drück ich euch die Daumen, dass ihr so etwas niemals erlebt! 

Man beginnt Dinge zu zerdenken

Was man aber auch dabei erleben kann, ist das Grübeln. Man verbringt immer mehr Zeit damit über Sachen nachzudenken und zu planen als wirklich etwas zu machen. Wenn ich die ganze Zeit im Bett liege, ob ich nun eine Wahl habe oder nicht mal außer Acht gelassen, dann werde ich immer weniger tun und immer mehr nachdenken, was ich tun könnte. Nur vorstellen kann ich mir noch so viel – ohne Handeln passiert rein gar nichts. Und es ist oft besser drei Dinge zu testen als zwei zu planen und doch keins zu machen.

Warum Nachlässigkeit dir dein Momentum nimmt

Nachlässigkeit beginnt immer mit: “Man könnte mal”

Genau da landen wir wieder bei der Nachlässigkeit. Sich Sachen vorzunehmen funktioniert nur dann, wenn man wirklich die unglaubliche Disziplin dafür hat. Klar kann ich auf meine Todo-Liste schreiben, dass ich den Müll raus bringen muss, aber es wäre in jedem Fall geschickter, wenn ich es einfach mache. Das sollte wirklich kaum länger dauern. Sachen zu planen kann manchmal genau das sein, was einen davon abhält zu handeln, aber nur das Handeln selbst gibt dir Momentum.

… oder mit: “Auf 5min kommt’s nicht an”

Ähnlich verhält es sich mit dem zu spät kommen. Man kommt immer leichtfertiger zu spät und vielleicht auch immer länger. Irgendwann verpasst man vielleicht mal etwas komplett. Und dann ist man auf dem besten weg das eigene Leben zu verpassen. Ein schöner Satz dazu, den ich kürzlich gelesen habe (leider vergessen habe woher): “Wenn du genug das mache ich Morgens angesammelt hast – bleibst du zurück mit einem Stapel leerer Gesterns.”
Es ist einfach die negative Variante des Entschleunigens, etwas das ich als Minimalist auf keinen Fall will. Natürlich kann man sein Leben vereinfachen, indem man es versäumt, aber glücklich sein bleibt dabei auf der Strecke.

Es stapelt sich und bremst immer mehr

Fakt ist, je mehr du vor dir her schiebst, desto größer wird die Last und je langsamer kommst du vorwärts. Irgendwann erscheint dir unschaffbar, was du alles vorhast und plötzlich ist der Stillstand da. Du hast es eigentlich kaum gemerkt und fragst dich vielleicht noch, wie es dazu kommen konnte. Aber hey, jetzt ist es sowieso egal, oder? Oder in Nenas Worten: “Verkauf mein Auto, ich bleib im Bett.”

Wie du dein Momentum zurückbekommst

Mit etwas Kleinem und Naheliegenden beginnen

Ob du nun schon in völligem Stillstand bist oder nicht, ich würde immer empfehlen mit dem Naheliegendsten anzufangen. Nimm das erste Teil, wo du denkst: “Ich sollte mal…. “ und tu genau das, was du jetzt tun kannst. Ein Beispiel aus dem Alltag: Ich sehe wirklich einige Papiere auf meinem Schreibtisch. Ich greife das ganz oben auf dem Stapel. Muss ich es abheften? Dann direkt machen!
Habe ich in diesem Moment diesen einen Schritt gemacht, dann fällt es gleich viel leichter mit dem zweiten Papier auf dem Stapel das Gleiche zu tun. Im Idealfall ist alles, was ich abheften muss, abgeheftet und alles, was in den Shredder kann, zerkleinert. Bleiben sollte nur das, was weitere Handlungen erfordert – zum Beispiel eine Antwort schreiben, ein Formular ausfüllen, einen Termin machen. Vielleicht habe ich jetzt sogar direkt genug Momentum dafür 😉

Hauptsache man kommt in Bewegung

Du merkst hier direkt, dass der erste Schritt oder der erste Handgriff am Wichtigsten ist. Wenn ich nach dem Essen den Tisch abräumen will, beginne ich mit einem Teller, dann der zweite usw. Dann alles, was in den Kühlschrank muss. Anschließend einmal drüber wischen und gut. WIe Thomas Frank es so treffend gesagt hat: “Bestrafe nie dein Selbst von Morgen.” Denn wenn du erstmal bis morgen wartest, fällt das in Bewegung kommen schon wieder viel schwerer.

Am besten sind dafür “No-Brainer”

Und glaub mir: Nichts eignet sich so grandios gut um in Schwung zu kommen wie Dinge über die man gar nicht nachdenken muss. Egal ob ich den Müll oder das Altpapier aus dem Haus bringe: Ich weiß genau, was ich wohin bringen muss und am besten ist: Ich weiß genau, es dauert weniger als eine Minute.
Ebenfalls gut geeignet dafür sind Abwasch und/oder die Spülmaschine ein- und ausräumen. Vorher oder nachher am besten ein kurzer Spaziergang um den Block, in dem Fall machst du dir direkt klar, was von beiden dir leichter fällt und du tust noch was für deine Fitness.
Und mein absoluter Geheimtipp, um sich wacher und frischer zu fühlen: Einfach schnell die Haare waschen, wenn man morgens einfach nicht in Schwung kommen will. Man fühlt sich direkt frischer!

Wie du Nachlässigkeit vermeidest

Verschiebe niemals Dinge, die weniger als 5 Minuten dauern 

Und wenn wir es erstmal geschafft haben wieder Momentum aufzubauen, was dann? Nun wir dürfen die Nachlässigkeit nicht mehr rein lassen. Das machst du am besten, indem du immer einen klaren Punkt vor Augen hast, was als Nächstes dran ist. Wenn dir ein herumliegendes Shirt ins Auge fällt: Schrank oder Wäsche. Wenn du von der Arbeit nach Hause fährst: Direkt einkaufen. Lass dabei immer genug Luft für Entspannung und Freizeit! Aber verschiebe niemals Dinge, die weniger als 5 Minuten dauern.

Erledige Dinge immer vor dem letzten Tag

Genauso hilfreich ist, wenn du heute noch genug Zeit hast, etwas Sinnvolles damit zu machen. Warum mit dem Einkaufen bis morgen warten, wenn du das locker noch heute erledigen kannst und trotzdem noch mehr als genug Zeit für alles hast, was dir Freude bereitet. Ebenfalls kann man das mit Antworten auf Briefe und ähnlichen Dingen halten. Dass man eine Rechnung bis zum 31. überweisen soll, heißt nicht, dass man das genau an diesem Tag tun muss. Je mehr du direkt aus dem Kopf bekommst, desto leichter wird dein Alltag. Sei immer 10 Minuten früher beim Termin, so kannst du dich sammeln und bist absolut frei von Stress, egal um was es geht.

… und dein Momentum behältst

Genau diese Haltung macht es dir zur Gewohnheit immer in Bewegung und Schwung zu bleiben. Du bist weniger gestresst als die Menschen um dich herum. Du bist zuverlässig, vor allem dir selbst gegenüber. Insgesamt wird es dich obendrauf auch vom Grübeln und zu viel Nachdenken abhalten und dir dadurch zu einer noch positiveren Stimmung verhelfen. Am Ende strahlst du diese Energie und die gute Stimmung auch aus. Damit wirst du selbst zum unmöglichen frischen Apfel, der all das faule Obst in der Schüssel mindestens ein bisschen frischer macht.

Mach Bewegung, Frische und Energie zu deiner Gewohnheit – und nicht zu einem Wunschzustand!

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