Die 6 häufigsten Vorurteile über Minimalisten

Vorurteile über Minimalisten

Minimalisten leben einen alternativen Lebensstil und stoßen damit manchmal auf Vorurteile in ihrem sozialen Umfeld. Kennt ihr das vielleicht auch?

Jemand kommt bei euch zu Besuch und wundert sich erstmal lautstark darüber, dass eure Wohnung ganz schön leer ist. Euer Besuch schlägt vor, dass ihr es mit Duftkerzen und Deko deutlich gemütlicher haben könntet. Zum nächstbesten Anlass bekommt ihr dann auch prompt Deko für eure Wohnung geschenkt und ihr wisst gar nicht wohin damit? Ihr habt eure Kleidung auf eure Lieblingsteile reduziert und eure Eltern können nicht verstehen, warum ihr euch nicht mal wieder ein paar schöne neue Sachen kauft?

In diesem Artikel teilen wir die Vorurteile, die wir bereits aus unserem sozialen Umfeld gehört haben und räumen damit aus Sicht der Minimalisten auf. 

1. Vorurteil: Ein Minimalist muss seinen gesamten Besitz wegwerfen

Das ist natürlich völlig übertrieben: Man soll insbesondere all das behalten, was einem wirklich am Allerwichtigsten ist. Und wenn es sich dabei um die Briefmarkensammlung handelt, mit der man sich jeden Samstagabend beschäftigt, dann wäre es tatsächlich ein großer Verlust sie wegzugeben.

Dazu kommen natürlich ebenso die Gegenstände, die im Minimalismus genauso für einen funktionierenden Alltag unverzichtbar sind, wie bei allen Menschen. Das beinhaltet in jedem Fall alles, was einen Bezug zu grundlegenden Bedürfnissen hat. Da wären zum Beispiel Kleidung, Dinge der täglichen Hygiene, Nahrungsmittel und selbstverständlich ein Platz zum Schlafen.

Entgegen dem Vorurteil geht es im Minimalismus eben nicht um materiellen Verzicht oder Enthaltsamkeit. Sondern vor allem darum, Ballast abzuwerfen und sich mehr Freiheit zu geben.

Getrost trennen kann man sich also von allem, was wirklich nur einstaubt und in keinem Fall eine Bereicherung des Alltags darstellt. Das dritte Fondueset braucht man halt nicht zwangsläufig, auch wenn die Eltern es mit dem Geschenk sicherlich gut gemeint haben.

Auch so ziemlich alles, was reine Deko-Artikel darstellt, kann man gut und gerne einem kritischen Blick unterziehen. Jedoch auch bei Deko sollte gelten: Wenn es wirklich glücklich macht oder auf andere Weise wichtig ist – dann spricht nichts dagegen das Gemälde der Großmutter zu behalten.

2. Vorurteil: Minimalismus heißt man darf sich nichts kaufen 

Dieser Gedanke ist genau wie der vorhergehende völlig übertrieben. Es gibt viele Dinge, wo der Kauf absolut notwendig oder zumindest sinnvoll ist. Stichwort Seife. 

Aber besonders hier sollte gelten: Qualität statt Quantität. Ich selbst habe mich entschlossen in die nächste Pfanne etwas mehr zu investieren, nachdem die letzten beiden Exemplare jeweils nach zwei Jahren kaputt gingen.

Dem Vorurteil nach kauft sich der Minimalist nichts, was zwar übertrieben ist – jedoch wird er sich sich immer die Frage stellen: Brauche ich etwas überhaupt? Und das fängt bei Möbelstücken schon an: Wenn ich einen Schrank habe, der zum größten Teil leer ist, dann brauche ich vermutlich keinen zweiten.

Auch wenn man Aussagen hört wie: “Der Trend geht zum Dritt-Handy”, dann bekommt man als Minimalist Gänsehaut.

Ein fast genauso schönes Beispiel ist ein Reserve-TV – wie überlebenswichtig ist er wirklich? Tatsächlich steht er 99% der Zeit in der Ecke, staubt ein und wenn der Fall eintritt, dass ich ihn tatsächlich brauche… Dann stellt sich heraus, dass die vielen Jahre der Nicht-Nutzung ihn ebenfalls haben kaputt gehen lassen.

Und um es mit den Worten von Joshua Fields Millburn zu sagen: “Alles ist 100% preisreduziert, wenn du es nicht kaufst!”.

3. Vorurteil: Minimalisten wohnen immer auf engstem Raum

Die Wahrheit ist: Einige machen das wirklich so, aber sicherlich nicht alle. Manche Minimalisten haben sogar recht große Wohnungen und genießen die freie Fläche, die wirklich enorm groß wirkt, wenn man nur wenige Möbelstücke hat.

Fairnesshalber muss man sagen, dass es auf jeden Fall nachhaltiger und sparsamer ist, seinen Wohnraum entsprechend seinem Besitz anzupassen. Minimalismus setzt die Priorität eher bei der Aufteilung des Wohnraums als der reinen Größe bzw “Kleine” :D. Denn Übersicht, eine klare Linie und gleichmäßige Form sind wichtig.

Würde man den Vorurteilen glauben, müsste absolut jeder Minimalist in einem Tiny House oder einer 1-Zimmer-Wohnung leben. Ein Tiny House zum Beispiel sollte man jedoch wirklich mögen, bevor man sich dazu entschließt. Aber eine 2-Zimmer-Wohnung, die ausreicht, ist sinnvoller und leichter mit Wärme, Strom etc. zu versorgen als eine 4-Zimmer-Wohnung, von der ich zwei Räume überhaupt nicht nutze.

Letztendlich hängt es auch stark von der Anzahl der Personen im Haushalt ab. Sagen wir mal, wir reden über eine Familie aus 5 Personen. So sollte jeder einzelne sicherlich so viel Raum zur Verfügung haben, seinen Alltag so zu gestalten, dass er angenehm ist und gleichzeitig aber auch niemand anderen damit stört.

Interessant wird die Frage insbesondere dann, wenn nicht jeder im Haushalt minimalistisch lebt. Auch hier gibt es möglicherweise das Vorurteil, dass alle innerhalb der Gemeinschaft Minimalisten sind.

4. Vorurteil: Ein Minimalist tut jeden Tag die gleichen Dinge, in der gleichen Reihenfolge, auf die gleiche Weise – ein Tag wird jedem anderen gleichen

Natürlich hat diese Art Monotonie eine ganze Reihe praktischer Vorteile. Man muss über viele Dinge nicht mehr nachdenken, spart dadurch Zeit und in einigen Fällen sogar Geld. Der eigentliche Irrtum ist, dass der Minimalist damit nicht erreichen will, dass immer alle Handlungen so gleich sind, dass ihm alles, was er im Alltag tut, nach einiger Zeit zum Hals raushängt.

Die eigentliche Idee ist, seinen Alltag durch hilfreiche Gewohnheiten zu erleichtern, indem man eine Vereinbarung mit sich selbst eingeht. Zum Beispiel den Schlüsselbund immer an der gleichen Stelle aufzubewahren, damit man ihn nicht regelmäßig suchen muss, sobald man das Haus verlässt.

Wie viele Dinge ich durch diese Idee vereinfache, liegt ganz allein bei mir. Ich muss nicht 365 Tage das gleiche Brot essen, um ein Minimalist zu sein. Natürlich kann ich das machen, wenn ich das gern möchte. Aber hey – wenn ich mich dafür nach einem Monat ärgere, sobald ich an die nächste Mahlzeit denke, dann habe ich mein Leben nicht wirklich aufgewertet.

5. Vorurteil: Minimalisten brechen alle sozialen Kontakte ab

Was natürlich so auch nicht stimmt. Nichtsdestoweniger wird man eher dazu tendieren sich seine Freunde und Bekannte sorgsam auszusuchen. Das ist selbst dann oftmals gesund, wenn man sich für Minimalismus und ähnliche Themen kein bisschen interessiert.

Ich will mich nicht davon freisprechen, selbst den einen oder anderen Charakterzug zu haben, den man als toxisch oder giftig bezeichnen könnte, wenn man kritisch genug ist. Aus meiner Sicht ist es auch völlig menschlich den einen oder anderen Schwachpunkt zu haben, der für die Personen im nächsten Umfeld nicht immer ganz einfach ist.

Mittlerweile habe ich eine gigantische Anzahl an Artikeln darüber gelesen, was Menschen mit sehr toxischem Charakter in den eigenen Gedanken anrichten. Jeder von uns kennt Menschen, die sich immer genau dann melden, wenn sie um einen Gefallen bitten wollen und außerhalb dieser Momente nicht zu hören und zu sehen sind. Als toxisch bezeichnen kann man dieses Muster spätestens dann, wenn es sich immer wieder in gleicher Form wiederholt.

Ich will das aber gar nicht allumfassend ausführen, immerhin gibt es wie angemerkt schon eine große Zahl an Artikeln zu diesem Thema. Fakt bleibt jedoch, es gibt Menschen mit denen man selbst wunderbar harmoniert und solche sind für das eigene Leben wirklich wertvoll. Üblicherweise beruht dieser Umstand auf Gegenseitigkeit und gerade in diesen Fällen sollte man die Beziehung dahinter gut pflegen. Auf diese Weise entstehen Ideen, Motivation und Glück.

Man bringt sich gegenseitig dazu sich immer wieder neuen Herausforderungen zu stellen und diese zu meistern. Mal durch Ansporn und gesunde Kritik auf der einen Seite, und wenn notwendig auch durch Unterstützung und Beistand.

6. Vorurteil: Minimalisten opfern allen Spaß der Schlichtheit

In der Tat ein sehr gravierender Punkt. Bis heute denken viele Leute ich hätte ein vollkommen langweiliges und allein auf Effizienz, Produktivität und auch Geiz ausgerichtetes Leben. Ich selbst würde aber sagen, ich verbringe meine Zeit sehr gern mit Dingen, die ich mag und die mit praktischen und auch finanziellen Vorteilen nicht das Geringste zu tun haben. Ganz gleich ob ich aktiv Musik höre, Bilder male oder fotografiere, es hat keinerlei praktischen Nutzen, gibt mir aber ein gutes Gefühl.

Das vorherrschende Vorurteil gegenüber mir als Minimalist ist meisten darauf begründet, dass ich nicht haufenweise Geld für Kleidung, Konzerte, drei Urlaube im Jahr, Kino, Restaurant und vieles mehr ausgebe. Wenn ich einigen meiner Arbeitskollegen aufmerksam zuhöre, scheint es manchmal mehr darum zu gehen, wer am Wochenende am meisten Geld ausgegeben hat, als um die Aktivität oder die Anschaffung selbst. Ganz ehrlich: Ich verstehe, nicht warum das so klingt.

Jetzt seid ihr gefragt:

Mit welchen Fragen oder Vorurteilen wurdet ihr schon spontan konfrontiert? Habe ich vielleicht ein ebenfalls weit verbreitetes Vorurteil übersehen oder vergessen? Und: Welche Frage, die euch jemals dazu gestellt wurde, fandet ihr persönlich am lustigsten?

Wir freuen uns auf eure Kommentare!

2 Gedanken zu „Die 6 häufigsten Vorurteile über Minimalisten

  1. Renate-Maria ullrich

    Hallo, eine sehr gute Zusammenstellung, aber ne Kleinigkeit fehlt noch:
    „Einem Minimalisten kann man nichts schenken!“. Nur weil man sich keine nutzlosen Rumstellersches und Abstauberlein wünscht, ist die Palette der Möglichkeiten so groß, angefangen von einem guten Öl oder Gewürz bis hin zur Einladung zu einer Ausstellung! Aber fix was in der Deko-Abteilung kaufen ist halt auch gedanklich weniger aufwändig……

    1. genug team

      Hallo Renate-Maria!
      Diesen Punkt werden wir auf jeden Fall auch aufnehmen, sobald wir mal etwas Luft haben den Artikel zu erweitern.
      Wir müssen beide ehrlich gestehen, wir tun uns oft schwer damit, etwas zu verschenken, genau wie etwas geschenkt zu bekommen.
      Den Kern hast du ziemlich gut getroffen: um ein gutes Erlebnis zu verschenken muss man sich auch die entsprechende Mühe geben,
      es ist am Ende diese Mühe, die echte Zuneigung ausdrückt – deswegen macht man doch Geschenke eigentlich.
      Liebe Grüße,
      Thomas

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.