Minimalismus und Nachhaltigkeit – Ein harmonisches Duett

Minimalismus und Nachhaltigkeit - Ein harmonisches Duett

Neulich haben wir in einem Artikel die besten deutschsprachigen Minimalismus-Blogs zusammengetragen. Dabei ist uns aufgefallen, dass für die meisten Minimalismus-Blogger die Themen Nachhaltigkeit und Minimalismus sehr eng miteinander verbunden sind. Das hat uns ein bisschen zum Nachdenken gebracht. Weil um ehrlich zu sein, haben wir uns ursprünglich nicht für einen minimalistischen Lebensstil entschieden, um der Umwelt etwas Gutes zu tun. Wir haben deshalb reflektiert, warum wir selbst eigentlich zu Minimalisten geworden sind und, ob Minimalismus für uns ein nachhaltiger Lebensstil ist. 

Die sechs Minimalismus-Typen

Passend dazu sind wir letztens über einen interessanten Blogartikel gestolpert, in dem zwischen sechs Minimalismus-Typen unterschieden wird: Die Sparsamen, die Nomaden, die Ästheten, die Konsequenten, die Pragmatisten und die Weltverbesserer. Letztere legen von vornherein Wert auf Nachhaltigkeit. Die Weltverbesserer schränken ihren Konsum ein und reduzieren ihren Besitz auf das Nötigste, um der Ressourcenverschwendung entgegenzuwirken.

Die anderen Minimalismus-Typen hingegen legen ursprünglich weniger Wert auf Nachhaltigkeit. Dafür sind andere “Dinge” wichtig. Die Nomaden reduzieren beispielsweise ihren Besitz, um jederzeit unkompliziert um die Welt reisen zu können. Für die Ästheten wiederum steht ein schönes aufgeräumtes Zuhause im Vordergrund.

Wir persönlich sehen uns am ehesten als Pragmatisten. Uns ist irgendwann klar geworden, wie viel Zeit unnötige Dinge in unserem Leben fressen. Im Grunde möchten wir Dinge loswerden, um wieder mehr Zeit für das zu haben, was uns wirklich wichtig ist. Bei mir kommt noch eine Prise Nomadentum dazu. Denn eigentlich gefällt mir diese Vorstellung jeden Tag woanders leben und arbeiten zu können – unnötig viel Besitz hält dabei nur auf. Bei Thomas ist es an erster Stelle die Sympathie für alles was schlicht und klar ist, weil es sich gedanklich nach einer Ruhepause anfühlt – von einem Alltag, der für uns alle immer komplizierter wird.

Nachhaltigkeit hat sich in unseren Minimalismus eingeschlichen

Fakt ist, wir haben unser Leben nicht von frühester Jugend an auf Nachhaltigkeit ausgerichtet. Im Gegensatz zu der jungen Generation von heute. Dennoch habe ich letztens wiederverwendbare Gemüsenetze mit nach Hause gebracht. Inzwischen achten wir beim Einkauf nicht einfach darauf, nur das zu kaufen, was wir wirklich brauchen. Stattdessen legen wir auch deutlich mehr Wert auf die Herkunft der Produkte. Und letztens erst habe ich recherchiert, wie man Deocreme und andere Kosmetika aus natürlichen Zutaten selbst herstellen kann. 

Doch wie ist es dazu gekommen? Wir glauben, dass ein minimalistisches Leben mit der Zeit automatisch dazu anregt, über Nachhaltigkeit nachzudenken. Völlig egal, aus welchen Gründen man sich anfangs für einen minimalistischen Lebensstil entschieden hat! Das beliebte Ausmisten ist unserer Meinung nach der Auslöser für eine nachhaltigere Denkweise. Aber wie Thomas es auch in seinem letzten Artikel beschrieben hat: Die wirkliche Frage ist doch – wie kam es zum Ausmisten? Denn allein die Notwendigkeit auszusortieren zeigt, dass man zuvor weder nachhaltig noch minimalistisch konsumiert hat. Dies ist eine Selbsterkenntnis, der man sich früher oder später stellen muss, wenn man beginnt sich für Minimalismus als Lebensstil und Nachhaltigkeit zu interessieren.

Ausmisten führt zu einem bewussteren Konsumverhalten

So ziemlich jeder Minimalist hat schon mal ordentlich ausgemistet. Ich weiß nicht, wie es euch ergangen ist, aber bei uns war das Ausmisten nicht in einem Rutsch erledigt. Bei uns hatte sich so viel Zeug angehäuft, dass wir mittlerweile mehrere Ausmist-Aktionen gestartet haben und so richtig fertig sind wir eigentlich immer noch nicht.

Es fiel uns recht leicht, die Gegenstände auszusuchen, von denen wir uns trennen wollten. Das Schwierigste war tatsächlich am Ende alles irgendwie loszuwerden. Wer schon mal versucht hat, gebrauchte Bücher, DVDs und Blumenvasen auf ebay zu versteigern, weiß wovon ich rede. Letztendlich haben wir gut erhaltene nützliche Dinge an ein Secondhand-Kaufhaus gespendet. Wir sind jedoch nicht darum herumgekommen, mehrere Male zum Wertstoffhof zu fahren und Gegenstände dort zu entsorgen.

Vor allem das Abtransportieren in mehreren Etappen hat uns sehr deutlich die Ressourcenverschwendung durch maßlosem Konsum vor Augen geführt. Wir glauben durch die Erfahrung des Ausmistens entsteht von ganz alleine das Bedürfnis nach einem bewussteren Konsumverhalten. Alleine schon um zukünftige Ausmist-Aktionen zu vermeiden, denkt man in der Zukunft deutlich reflektierter über den Kauf von neuen Gegenständen nach. 

Das nachhaltige Minimalismus-Prinzip schlechthin: Qualität statt Quantität

Zusammengefasst heißt das: Minimalisten besitzen weniger Gegenstände und kaufen auch weniger neue Gegenstände. Das trägt schon mal zur Ressourcenschonung bei und ganz nebenbei lässt sich durch Minimalismus jede Menge Geld sparen. Für viele Minimalisten bedeutet bewusster Konsum allerdings nicht nur “weniger kaufen”, sondern auch “hochwertiger kaufen”. 

Das gesparte Geld erlaubt es Minimalisten in hochwertige und langlebige Produkte zu investieren. Diese halten dann statt drei Monaten vielleicht sogar sechs Jahre, was auf lange Sicht noch mehr Rohstoffe einspart. Wer weniger besitzt, legt auch mehr Wert auf die Qualität der wenigen materiellen Besitztümer.

Auf ihrem Blog macht Luise dieses Zusammenspiel von Minimalismus und Nachhaltigkeit wunderbar deutlich:

“Wenn ich weniger kaufe, das ich nicht unbedingt brauche, und dafür mehr Geld übrig habe für das, was ich wirklich brauche, dann habe ich die Möglichkeit, in höhere Qualität und beständige, haltbare und nachhaltige Produkte zu investieren.”

Luise auf paigh

Jennifer

Ein Gedanke zu „Minimalismus und Nachhaltigkeit – Ein harmonisches Duett

  1. Pingback: Was ist Minimalismus? | genug.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.