Minimalismus auf Reisen: Entspannung und bewusste Erlebnisse

Minimalismus auf Reisen

Auf einer Reise möchten wir bewusst Abstand zum Alltag gewinnen, uns vom Alltagsstress erholen und vielleicht auch etwas Außergewöhnliches erleben. Wir neigen dazu viel Geld für besondere Erlebnisse und Souvenirs auszugeben, einen Flug ans andere Ende der Welt zu buchen und vor Ort alle Sehenswürdigkeiten abzuklappern. Kurzum: Minimalismus im Alltag ist eine Sache, aber wie können wir Minimalismus auf Reisen ausleben?

Durch Minimalismus auf Reisen entspannter ans Ziel kommen

Weniger Stress durch weniger Gepäck

Vor einer Reise macht man sich immer Gedanken, was man noch alles einpacken könnte, damit man auch wirklich für jede Situation gewappnet ist. Einen extra Pulli. Einen Regenschirm. Jeweils ein anderes Paar Schuhe für Party, Strand, Wandern und Sightseeing. Auf Reisen stellt man dann fest, dass man mehr als die Hälfte im Koffer gar nicht gebraucht hat. 

Wer schon mal mit richtig viel Gepäck verreist ist, weiß wie nervig das ist. Am Flughafen in einer extra Schlange stehen, um das Gepäck aufzugeben. Im Zug keinen Platz für den dicken Koffer finden. Unterwegs das schwere Gepäck mit sich rumschleppen. Das alles muss nicht sein, wenn wir uns beim Packen einfach ganz minimalistisch nur auf das Wesentliche konzentrieren. 

Minimalismus auf Reisen bedeutet für viele nur aus dem Rucksack leben. Alles was da nicht reinpasst, bleibt zu Hause. Für mich ist das zugegebenermaßen nichts, weil ich auf Reisen nicht gerne dauerhaft mein Gepäck auf dem Rücken tragen möchte. Mein Minimalismus auf Reisen sieht daher so aus: Egal wie lange ich verreise, ich packe immer nur Kleidung für höchstens 7 Tage ein. So passt alles in einen kleinen Handgepäck-Trolley. Wenn ich länger als 7 Tage unterwegs bin, buche ich einfach ein Airbnb mit Waschmaschine.

Weniger Meilen für eine entspannte Anreise

Wenn wir an Urlaub denken, dann zieht es uns oft in die Ferne. Neue Länder und Kulturen kennen lernen. Exotisches Essen probieren. Atemberaubende Natur und Strände am anderen Ende der Welt genießen. Wir denken oft, dass wir uns besser entspannen können je weiter wir von unserem Alltag zu Hause entfernt sind. Was wir dabei allerdings vergessen? Dass wir vor der Reise vermutlich jede Menge Stress bei der Planung und Anreise haben werden. Nehmen wir zum Beispiel Australien als beliebtes Reiseziel in der Ferne. Ich war selbst dort und würde auch jedem empfehlen die Reise einmal zu machen! 

Aber jedes Jahr im Sommerurlaub aufs Neue so weit in die Ferne reisen? Vor der Reise ein Visum beantragen. Einen 24-stündigen Flug über sich ergehen lassen. Unterwegs mindestens einmal in einen anderen Flieger umsteigen. Totales Jetlag durch das Leben in einer anderen Zeitzone. Vor Ort eine australische SIM-Karte besorgen. Und am Ende muss man ja auch wieder zurück nach Hause kommen. So toll das Erlebnis in Australien auch war, es hat mich nicht unbedingt entspannt. Minimalismus auf Reisen kann also auch bedeuten, einfach weniger Meilen zurückzulegen, um entspannt ans Ziel zu kommen. 

Für mich wird eine Reise insbesondere durch lange Wartezeiten, häufiges Umsteigen und ständiges Wechseln von Verkehrsmitteln anstrengend. Am stressigsten finde ich es allerdings selbst am Steuer zu sitzen, weshalb ich am liebsten ohne Auto unterwegs bin. Am entspanntesten ist es für mich, wenn ich einfach in meiner Stadt in einen ICE einsteigen und dann direkt bis zum Ziel durchfahren kann. Von Duisburg aus komme ich zum Beispiel bis nach Amsterdam, Köln, Hamburg, Frankfurt am Main, München und Berlin. So kann ich während der Fahrt entspannt ein eBook lesen und ganz nebenbei reist man mit der Bahn auch noch umweltschonender als mit Flugzeug oder Auto.

Entschleunigung und bewusste Erlebnisse durch Minimalismus auf Reisen

Weniger Reizflut durch Reisen abseits der bekannten Orte

Am Ziel angekommen stellt sich die Frage, wie verbringt man nun seine Zeit vor Ort? Die meisten schmökern wahrscheinlich bereits vor der Reise in einem Reiseführer oder auf Instagram & Co. nach sehenswerten Orten. Die Bilder sehen dann so verlockend aus, dass wir uns in den Kopf setzen: Das müssen wir auch unbedingt sehen! So ging es uns auch als wir vor ein paar Jahren nach Portugal gereist sind.

Wir haben extra ein Airbnb in einer etwas ruhigeren Lage gebucht, aber wir haben uns auch fest vorgenommen, dass wir einen Tagesausflug nach Lissabon machen wollen. Insbesondere die Bilder von der Altstadt auf Instagram hatten es mir angetan – die engen verwinkelten Gassen mit Kopfsteinpflaster, die niedlichen Cafés am Straßenrand und der Aufstieg zum Castelo de São Jorge. 

In Lissabon angekommen wurden wir alle zwei Meter auf der Straße von Verkäufern angesprochen, die uns Souvenirs aufschwatzen wollten. In den engen verwinkelten Gassen in der Altstadt kamen uns ständig riesige Reisegruppen entgegen. Die niedlichen Cafés am Straßenrand waren alle komplett überfüllt. Oben am Castelo angekommen, haben wir uns beide entnervt angeschaut und uns ohne Worte darauf geeinigt, dass wir einfach nur so schnell wie möglich wieder aus Lissabon rauswollen. Die Stadt ist zwar in der Theorie total schön, aber durch Touristen wie uns einfach viel zu überfüllt.

Seitdem bedeutet Minimalismus auf Reisen bei uns, dass wir ganz bewusst alle Orte meiden, die in Reiseführern und auf Instagram als besonders sehenswert angepriesen werden. In unserem Alltag haben wir uns für Minimalismus als Lebensstil entschieden, unter anderem weil wir eher sensibel auf Reizüberflutung reagieren. Warum also sollten wir uns auf Reisen bewusst dem ganzen Trubel aussetzen?

Weniger Instagram für bewusste Erlebnisse

Auch ein bisschen digitaler Minimalismus schadet auf Reisen nicht. Wir neigen gerade dann, wenn wir etwas Außergewöhnliches erleben dazu, jeden Schritt auf Fotos zu dokumentieren. Statt die wunderschöne Landschaft, die atemberaubende Aussicht oder das exotische Essen einfach zu genießen, machen wir erstmal ein Foto davon. Und meistens nicht nur eins. Wir machen noch ein paar weitere Fotos aus anderen Perspektiven zur Sicherheit und suchen den perfekten Filter, damit die Bilder sich auch zum Teilen auf Instagram eignen.

Stell dir die Frage, warum du eigentlich verreist. Möchtest du selbst eine tolle Erfahrung machen oder möchtest du vor allem vor anderen wie eine möglichst spannende Person wirken? Bei mir beschweren sich Familie und Freunde tatsächlich immer, weil ich ihnen auf Reisen zu wenig Fotos schicke. Ich persönlich finde es aber gerade auf Reisen immer wichtig, alle Eindrücke möglichst bewusst aufzunehmen. Auch ich mache Erinnerungsfotos, aber am Ende bleiben mir immer die Erlebnisse am besten im Gedächtnis, in denen ich im Moment gelebt habe.

In diesem Sinne interessiert uns: Wie lebst du deinen Minimalismus auf Reisen aus? Oder machst du auf Reisen ganz bewusst eine Pause vom minimalistischen Lebensstil? Schreib uns deine Sicht in einem Kommentar!

Ein Gedanke zu „Minimalismus auf Reisen: Entspannung und bewusste Erlebnisse

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