Teil II: Wohlbefinden in Krisen – Freie Zeit zu Hause sinnvoll nutzen

Freie Zeit zu Hause sinnvoll nutzen

Jeder Mensch braucht irgendeinen Ausgleich zum stressigen Alltag. Aktuell sind die Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung jedoch eingeschränkt. Speziell Partygängern, die sich am Wochenende gern in Clubs oder Kneipen aufhalten, dürfte es im Moment schwer fallen sich Ausgleich zu schaffen. Wer gern ins Kino geht, findet sich vor verschlossenen Türen wieder. Und auch der Ausflug ins Einkaufscenter und das Training im Fitnessstudio müssen zur Zeit wohl ausfallen.

Doch fehlender Ausgleich ist auf Dauer ungesund. An erster Stelle merkt man das an der eigenen Stimmung. Man wird unzufriedener und leichter reizbar. Nach einiger Zeit schläft man schlechter, der innere Antrieb lässt nach und auch die körperliche Fitness beginnt nachzulassen.

Freizeitgestaltung zu Hause: Die üblichen Verdächtigen

Videospiele, Filme und Serien sind wohl die naheliegendste Lösung

Für viele Menschen gehören Fernsehen, Netflix und Co. ohnehin schon zur abendlichen Freizeitgestaltung. Eine Möglichkeit, auf die sicher auch der begeisterte Kinogänger kommt, wenn das Kino geschlossen hat. 

Daneben gibt es auch noch die PC- und Konsolen-Spieler, die quasi gar keinen Unterschied zu vorher bemerken. Kürzlich habe ich von jemandem gehört, der seinen Großeltern Spiele auf dem Smartphone beigebracht hat. Das beweist, dass man sich auch einmal mit Videospielen befassen kann, wenn man sich zuvor nicht dafür interessiert hat.

Der Nachteil von passiver Unterhaltung

Zugegeben: Es ist verlockend mal richtig viel Zeit zum Videospielen oder Netflix gucken zu haben. Wir haben uns anfangs auch gefreut, dass wir endlich mal ordentlich Fortschritte in unserem Lieblingsspiel machen können. Wir haben aber auch schnell festgestellt: Befasst man sich verstärkt mit passiven Dingen, wird man selbst auch immer passiver. Schon nach einer Woche sinkt der eigene Antrieb und man bemerkt es selten bewusst.

Was macht man üblicherweise außerhalb von zu Hause und welche Alternativen gibt es?

Veranstaltungen besuchen

Derzeit sind die meisten Veranstaltungsstätten geschlossen – von Konzerthallen, über Theater bis hin zu Diskotheken. Auf Dringeblieben findet ihr ein reichhaltiges Angebot an Online-Veranstaltungen. Über Livestreams könnt ihr euch Konzerte, DJs, Theateraufführungen, Lesungen, Kunst-Tutorials und Trainingseinheiten ansehen. Über einen Chat könnt ihr direkt mit den KünstlerInnen kommunizieren und sie auch finanziell unterstützen.

Sport treiben

Wer am liebsten Joggen oder Radfahren geht, ist hier klar im Vorteil. Schließlich ist das immer noch ohne Probleme möglich, solange man es nicht in Gruppen macht. Wenn man normalerweise einmal die Woche ins Fitnessstudio geht, fällt der gesellige Teil leider weg. Für den Sport selbst kann sich aber auch mit YouTube und anderen Online-Fitnessangeboten in Form halten. Selbst einige der kleineren Hilfsmittel wie z.B. Hanteln kann man sich zur Not online bestellen.

Einige von euch werden jetzt vielleicht sagen: “Es ist einfach nicht das Gleiche meine Workouts zu Hause zu machen” – da widerspreche ich auch nicht. Aber es ist vielleicht trotzdem noch besser als gar keine Bewegung, also probiert es einfach mal aus.

Insbesondere für alle, die gerade von zu Hause arbeiten, kann etwas Bewegung einen riesigen Unterschied machen. Wir haben zum Beispiel gemerkt, dass selbst die paar Schritte auf dem Weg zur Arbeit und im Büro enorm fehlen. Deshalb machen wir aktuell jeden Abend ein 10-minütiges Workout zur Entspannung auf Gymondo. Das ist nicht anstrengend, tut wirklich einfach nur gut und hilft dabei ruhig einzuschlafen. Auf YouTube findet ihr auch jede Menge kostenlose Mini-Workouts zur Entspannung (z.B. von Yoga with Adriene).

Gesellige Aktivitäten

Besonders schwierig ist die aktuelle Situation für extrovertierte Menschen, die ihre Energie aus sozialer Interaktion ziehen. Leute, die sich gern unterhalten, im Verein betätigen oder tanzen gehen. Mit dem ersten Teil unserer aktuellen Serie haben wir einen ganzen Artikel dem Thema soziale Kontakte in sozialer Isolation gewidmet. Dort findet ihr zum Beispiel Tipps für ein virtuelles Feierabendbier oder einen digitalen Brettspiele-Abend.

Daneben habe ich bereits von Bars gehört, die virtuelle Bier-Tastings, Livemusik und Pub Quizzes anbieten (z.B. Brewdog). Eine gesellige Alternative könnten auch soziale Events in der virtuellen Realität sein. In der kostenlosen App AltspaceVR findet ihr aktuell virtuelle Kirchen, Live Musik, Talk Shows und Dance Partys. Wer kein entsprechendes Headset besitzt, kann die App auch am PC nutzen.

Als kleine Idee von mir aus meiner Zeit als Moderator bei einem Internet-Radio: Auch hier geht es bei den kleineren Sendern sehr gesellig und interaktiv zu. Man kann oft mit allen Hörern im gleichen Chat sein, sich Musik wünschen und so weiter.

Kreative Tätigkeiten in den eigenen 4 Wänden

Musik machen

Nicht nur Musik hören, sondern auch selbst machen gehört zu den Dingen, die man wunderbar Zuhause machen kann. Am einfachsten ist es natürlich für alle, die bereits ein Instrument haben und hier nicht den Computer zur Hilfe nehmen wollen. Ich habe aber auch letzte Woche von Menschen gelesen, die zu mehreren von ihren Balkons herunter singen – quasi gemeinsam mit der Nachbarschaft. Diese Idee fand ich sehr schön. Insbesondere wenn man sich die Geschichte der Menschheit anschaut, kommt man darauf, dass gerade in schweren Zeiten die Menschen sich durch gemeinsames Singen gegenseitig Halt gegeben haben. 

Schreiben und Zeichnen

Abseits der Musik gibt es natürlich auch Dinge wie Schreiben und Zeichnen – und hier braucht man für beides im Notfall nur Zettel und Stift, mehr nicht. Wenn man also so etwas schon immer mal ausprobieren wollte, ist jetzt an den freien Abenden der perfekte Zeitpunkt dafür. Auch hier muss man nicht gleich ein Buch schreiben – wie wäre es mit Kurzgeschichten oder denkt einmal selbst über ein Blog nach 😉

Auch Tagebuch schreiben hilft vielen Menschen die Geschehnisse und Gedanken des Tages noch einmal durch zu gehen. Obendrauf gibt es auch hier für beide Felder eine ganze Reihe Youtuber, die Tipps und Anleitungen geben und damit den Einstieg erleichtern.

Konstruktive Tätigkeiten zu Hause

Daneben gibt es eine ganze Reihe Aktivitäten, die konstruktiv sind, sich aber für viele Menschen nach Arbeit anfühlen. Hier finden sich also eher Ideen für alle, die Zwangsurlaub bekommen haben oder durch Arbeit von zu Hause ihre tägliche Zeit zum Pendeln einsparen.

Hausarbeit

An erster Stelle erwähnen wir hier mal die gute alte Hausarbeit. Ob nun Wäsche waschen, Fenster putzen oder den Teppich reinigen, besonders die Zeitfresser kann man momentan gut erledigen. Hey, es ist ohnehin die Saison für den Frühjahrsputz! Ihr werdet jetzt vielleicht fragen: “Was hat das bitte mit Ausgleich zu tun?”, dazu Folgendes:

Wir selbst haben in der aktuellen Phase nur noch selten Hausarbeit, die auf den nächsten Tag verschoben wird. Das hat vorher noch nie so gut geklappt. Dadurch fühlt man sich innerhalb der eigenen 4 Wände auch schon mal ausgeglichener – wenn man dort schon fast seine gesamte Freizeit verbringen muss. Und es macht eine Menge aus, wenn man zufriedener mit sich selbst sein kann.

Renovieren & Ausbessern

Auch meine Eltern haben zur Zeit erheblich weniger Verpflichtungen außer Haus. Und sie konzentrieren sich gerade etwas mehr auf einige Renovierungen, weil die Lage einfach perfekt ist, um die eigenen 4 Wände etwas auf Vordermann zu bringen oder kleine Ausbesserungen zu machen, die man schon länger vor sich her schiebt.

Auch das schafft innere Zufriedenheit und man geht mit dem Gefühl schlafen, dass man mit seiner Zeit etwas Sinnvolles angefangen hat. Natürlich sollte man darauf achten, was der Vermieter erlaubt. Aber eine neue Lampe anbringen oder den Deckel des WCs austauschen sollte immer erlaubt sein. Renovieren bedeutet schließlich nicht immer gleich, die ganze Wohnung mit Parkett auszulegen.

Kochen und Backen

Was ich auch viel mitbekomme, ist, dass viele Leute plötzlich viel mehr Kuchen und Brot backen und dabei auch mehr ausprobieren. Warum? Zum einen verderben viele Backzutaten nicht so schnell wie Kochzutaten. Zum anderen erlernt man speziell beim Brot backen ein weiteres Puzzleteil, was man für die Selbstversorgung brauchen kann.

Außerdem hat man hinterher etwas Leckeres zum Essen, was speziell die Hobby-Bäcker auch ein bisschen stolz machen wird, wenn es gut geklappt hat. Zumindest geht mir selbst das beim Kochen so – denn Backen kann ich kein bisschen, obwohl ich unwahrscheinlich gerne koche.

Etwas lernen

Absolut perfekt sind die Abende am Wochenende natürlich, um etwas zu lernen. Programmieren, Fremdsprachen oder etwas Handwerkliches und wahrscheinlich noch 1000 andere Dinge, für die man im Netz Kurse findet.

Fremdsprachen lernen ist vielleicht nicht für jeden etwas, aber eine Sache hat doch fast jeder, die er schon immer mal machen wollte bzw. endlich mal wieder weiter machen wollte. 

Und auch Planen beinhaltet eigentlich immer ein Stück weit Lernen. Denn auch wenn eine Weltreise gerade nicht gut möglich ist, man sollte eine Menge dafür wissen und beachten. Also könnte man die Zeit damit verbringen schon einmal zu recherchieren und Notizen zu machen, was alles dafür notwendig sein wird. Das hält einen selbst von trüben Gedanken ab, ist gut gegen die Langeweile und man hat etwas, auf das man sich freuen kann, sobald die Lage sich wieder entspannt.

Andere konstruktive oder hilfreiche Dinge

Es gibt eine ganze Menge Menschen, die zur Zeit Hilfe brauchen, weil sie besonders gefährdet sind. Dabei geht es nicht allein um ältere Menschen. Auch Schwangere oder Familien mit sehr kleinen Kindern sollten vor Gefahren bewahrt werden so gut es geht. 

Letztendlich ist es kein großer Aufwand, jemandem etwas vom Einkauf mitzubringen und vor die Tür zu legen. Viele denken hierbei auch an Spenden, aber letzten Endes können schon ein kleiner Gefallen oder ein paar warme Worte jemandem den Tag retten.

Dazu eine kleine Geschichte am Rande

Eine Geschichte die mir in diesem Zusammenhang gut gefallen hat ist die des Youtubers und freiberuflichen Filmproduzenten Matt D’Avella:

Er hat erzählt, dass seine Schwester zu 5 Wochen unbezahltem Urlaub gezwungen wurde. Deswegen hat er sie eingestellt, um an einigen seiner Video-Produktionen mitzuwirken. Er fragt sein Publikum jedoch eben nicht nach Geldspenden, sondern nach netten Kommentaren und einfühlsamen Worten.

Und Anerkennung für alle, die uns am Leben erhalten

Dabei sind warme Worte auch nicht nur für die, die vielleicht gesundheitlich am meisten gefährdet sind, sondern auch für alle die besonders angebracht, die weiter da draußen ihre Arbeit machen, damit alle anderen versorgt sind. Und damit meine ich besonders alle Kräfte in der Medizin und in der Lebensmittelversorgung. Sie setzen sich weiterhin allen Risiken aus, obwohl sie in der Vergangenheit oft zu wenig Anerkennung bekommen haben.

Schlusswort

Man hat stets in der Hand, wie man mit einer Situation umgeht und oft auch die Wahl, das Positive darin zu sehen. Egal ob man Home Office macht, zur Arbeit geht oder Zwangsurlaub macht, man sollte seine Zeit nicht einfach absitzen. Nur weil die Art, wie man seine Zeit nutzen kann eingeschränkt ist, heißt das nicht, dass sie umsonst gewesen sein muss.

Grabt euch nicht ein und bringt immer wieder zumindest ein kleines bisschen in euren Tag, was euch davon abhält abzustumpfen. Das mag nicht immer einfach sein, aber ihr werdet aus der aktuellen Phase mit dem Gefühl herauskommen, dass ihr dem Alltag danach gewachsen seid, dass ihr eure Zeit zumindest so gut es ging auch ein Stück weit mit positiven Dingen gefüllt habt und das Wichtigste: Ihr kommt deutlich ausgeglichener und weniger bedrückt oder beunruhigt durch die Phase. 

Wir stecken da alle drin und denkt dabei auch an die Menschen, die jetzt gerade dafür sorgen, dass alles weiter funktioniert.

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