Die Moralfolge

Die Moralfolge
Die Moralfolge

#003 Transkript

Thomas: Hallo liebe Leser, Hörer und Freunde vom genugteam! Eigentlich sollte hier jetzt eine Folge kommen, die sich damit beschäftigt, warum gute Gewohnheiten hilfreich im Alltag sind. Aber wie ihr vielleicht auch schon am fehlenden gewohnten Intro feststellt: Es ist nicht die Folge, die eigentlich kommen sollte. Stattdessen geht es in dieser Folge um eine moralische Botschaft, die sich primär darum dreht, was ich kürzlich von Arbeitskollegen angesichts der aktuellen Situation gehört habe.

„Ich weiß gar nicht, was ich mit meiner Zeit anfangen soll“

Thomas: Und zwar meinte ein Arbeitskollege: “Also, ich weiß gar nicht, was ich die ganze Zeit machen soll. Ich sitze so zu Hause und starre die Wand an.” Und ich dachte mir so: Kumpel, du bist 25 Jahre alt und du hast noch ewig viel Chancen irgendetwas Großes zu unternehmen, zu machen, zu verreisen. Nutze doch mal die Zeit und lerne eine Fremdsprache. 

Thomas: Das war mein erster Gedanke einfach. Es muss jetzt nicht prinzipiell eine Fremdsprache sein, aber wenn man schon dazu angehalten ist zu Hause zu bleiben, kann die Lösung nicht sein, dass man da sitzt, die Wand anstarrt und mit seiner Zeit nichts anzufangen weiß. 

Thomas: Ich meine Wissenschaftler suchen seit Hunderten von Jahren verzweifelt nach einer Formel, wie man das Leben verlängern kann. Und wenn ich zu Hause sitze und weiß nichts mit meiner Zeit anzufangen, dann ist das bedenklich aus meiner Sicht. Ich will bei all dem ganz bestimmt nicht in Frage stellen, dass es eine sehr gewöhnungsbedürftige Situation ist, wenn man die ganze Zeit zu Hause sitzt. Und Tatsache ist, dass man draußen vor der Tür wirklich nicht das Meiste machen kann. 

Es wird eine Zeit danach geben!

Thomas: Aber was wir dabei nicht vergessen dürfen ist: Es wird eine Zeit danach geben! Und ich denke, wenn man jetzt viel mehr Zeit zu Hause verbringt, dann kann das leicht dazu verführen, sich hängen oder gehen zu lassen. Das erschwert dann aber die Situation, wenn man wieder zum gewohnten Alltag zurückkehren will. 

Thomas: Wenn ich jetzt die ganze Zeit zu Hause einfach gar nichts getan habe, mich kaum bewegt habe, mich nicht rasiert habe. Und auch ansonsten nicht gelesen habe und mich auch nicht mit Leuten unterhalten habe, weil ich das nur Freitag abends in einer Bar mache und ich auch nicht so der Typ bin, der telefoniert. Das heißt, man stumpft ab, man verliert das Gefühl dafür, wie man mit den gewöhnlichen alltäglichen Situationen umgeht und man wird nachlässiger. Und ich denke einfach, das muss nicht sein! 

Fordere dich heraus

Thomas: Wenn man jetzt stattdessen hergeht, und man gönnt sich ein paar YouTube Videos und Sport. Man macht einfach seine Workouts indoor. Man kann sich, wie ich das zum Beispiel für mich entdeckt habe, einfach ein bisschen mehr mit Dingen beschäftigen, in denen man normalerweise nicht so gut ist. 

Thomas: Wie ich das zum Beispiel mit dem Zeichnen mache. Einfach um auch da ein bisschen meine Disziplin zu trainieren. Weil das ist unglaublich anstrengend sich mit Dingen zu befassen, die einem eigentlich nicht liegen. Und viele haben da auch eine niedrige Frustrationstoleranz. Das Gute daran ist aber, dass man nicht nur seine Fähigkeiten weiterentwickelt, sondern auch seinen Charakter. Und alles, was einen irgendwie dazu bringt ein bisschen disziplinierter zu werden, erleichtert einem letztendlich auch jede Umstellung, mit der man im Alltag umgehen muss.

Thomas: Wenn man jetzt von einem auf den anderen Tag wieder in die Normalität zurückkehrt, dann wird einem das deutlich leichter fallen, wenn man sich in der Zwischenzeit mit anspruchsvollen Dingen beschäftigt hat. Das muss jetzt nicht Sport oder künstlerische Aktivität sein. Das kann auch wirklich eine Fremdsprache sein oder vielleicht auch ganz andere Fähigkeiten, meinetwegen Elektronik oder Programmieren, was auch immer man gut im Haus machen kann. 

Mach dir den Übergang zum gewöhnlichen Alltag leichter

Thomas: Letzten Endes geht es dabei auch darum, dass man aus dieser ungewöhnlichen Phase irgendetwas mit herausbringt, was einem dann später auch noch Nutzen bringt. Angenommen ich habe irgendeine zusätzliche Fähigkeit erworben. Vielleicht jetzt nicht bis ins kleinste Detail, weil dafür reichen ja 1-2 Monate nicht. Aber ich kann auf einmal auch bei Sachen mitreden, von denen ich vorher gar nichts wusste. Oder ich habe ein paar neue Gesichtspunkte entdeckt. Oder ich habe eine andere Haltung zu meiner Familie bekommen. Alles Dinge, die einem vielleicht neue Perspektiven und Blickwinkel auf das eigene alltägliche Leben geben. Und möglicherweise auch auf das von anderen.

Thomas: Stellen wir da jetzt mal in den Kontrast. Angenommen ich habe mich die ganze Zeit hängen lassen, ein Stück weit vernachlässigt und meine Zeit damit verbracht, mich nur zu bemitleiden, dass ich nichts total Spaßiges oder Actiongeladenes machen konnte. Dann nehme ich diese negative Stimmung auch mit in den Alltag danach. Und das führt dann dazu, dass ich da auch viel mehr Probleme habe mich zu arrangieren. Dass es viel anstrengender wird, viel schlimmer wird und ich diese negative Grundstimmung einfach mitnehme als eine Art Nicht-Momentum. Und das merkt man mir natürlich auch nach außen an. 

Thomas: Das heißt, wenn das jetzt viele Menschen so handhaben. Und dann alle mit dieser angesammelten Frustration in den gewohnten Alltag zurückkehren. Ich meine, was soll dann zum Beispiel an den Arbeitsplätzen, in den Supermärkten, in den Cafes oder Restaurants passieren? Die Leute bringen alle diese aufgestaute Frustriertheit mit und lassen die am Ende noch aneinander aus. Das heißt, wenn ich schon im Ansatz was dagegen unternehme, vermeide ich das Risiko und trage ein Stück weit dazu bei, dass es eben nicht darauf hinausläuft.

Bleib aktiv und lass dich nicht hängen

Thomas: Um das also mal zusammenzufassen, was ich euch einfach mitgeben möchte: Bleibt aktiv und lasst euch nicht hängen! Weil wenn man anfängt in die Passivität zu rutschen, wird man leicht dazu verführt, sich hängen zu lassen und sich auch ein Stück weit nicht mehr so gut um sich selber zu kümmern. Wenn man aber aktiv bleibt und sich scharf hält – ich will hier niemanden vorschreiben, mach jetzt erstmal einen Fremdsprachenkurs über 14 Tage – sondern sucht euch irgendetwas aus, was eure Gedanken und im Idealfall euch auch körperlich beschäftigt. 

Thomas: Einfach um in Form zu bleiben. Und mit in Form bleiben meine ich jetzt nicht, dass ihr auf einmal 120 kg Gewichte stemmen können müsst, wenn diese Phase vorbei ist – was auch ein bisschen utopisch und absurd wäre. Sondern achtet einfach darauf, dass ihr nicht stehen bleibt und einrostet, sondern euch in einer tauglichen Form haltet, um einen ganz normalen Alltag weiterhin bewältigen zu können, vielleicht ein Stück besser als zuvor.

Achte auf dich

Thomas: Und das nicht nicht nur für dich selber, sondern vielleicht ein Stück weit aus Respekt vor denen, die in den wichtigen Berufen arbeiten, die Überstunden machen ohne Ende. Und deren Problem gerade wohl kaum ist, was sie mit zusätzlicher Freizeit anfangen sollen. Womit wir dabei wären, warum es die moralische Folge geworden ist.

Thomas: Und ich hoffe, dass ich euch mitgeben konnte, warum gut auf sich selbst acht geben mehr bedeutet als nur gesund bleiben. Danke fürs Zuhören und wir hören uns hoffentlich bald wieder in der nächsten Folge!

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