Was mir als Minimalist wichtig ist [nochsoein.blog – Blogparade]

Zeichnung eines Nokia 3210

Zunächst mal kommt der Ursprung der Frage gar nicht von mir selbst. Aber nachdem Freddy auf nochsoein.blog kürzlich einen ganzen Blumenstrauß Fragen in die Welt geworfen hat, war ich versucht, die Facetten mal auf Gemeinsamkeiten zu bringen.

Da wären die Verbundenheit zum Ausmisten und der Umgang mit Veränderung daraus. Welchen Weg beschreitet man, ungeachtet des Abschnitts an dem man jetzt gerade ist? 

Welche Bereicherungen ergeben sich für den eigenen Alltag und worauf möchte man seine Aufmerksamkeit richten? An welchen Stellen möchte man gerne Ballast abwerfen und was hat man schon hinter sich gelassen?

Minimalisten ist “Kram wegwerfen” wichtig!?

Ausmisten, Entrümpeln und dadurch Ballast abwerfen – das klingt gut. Und ohne jedes Handeln bleibt immer alles beim Alten, egal wie viel oder wenig man darüber nachdenkt.

Für mich persönlich habe ich am Ende herausgefunden, dass der wichtigste Ballast, den man abwerfen kann, immer der in den eigenen Gedanken ist.

Es ist sicher gut und richtig sich zu erleichtern und Ballast abzuwerfen, indem man materielle Gegenstände ausmistet und entrümpelt. Viel wichtiger ist aber die Frage, wie es dazu kam, dass man das muss. Welche Gedanken haben uns dazu gebracht einen Haufen Gegenstände anzuschaffen, die wir am Ende nie oder nur ganz selten überhaupt verwendet haben?

Letzten Endes wird man an jeder Ecke dazu verführt, sei es am Black Friday oder zum Saisonwechsel oder oder oder. Wir bekommen gesagt, dass wir Dinge brauchen, obwohl wir sie eigentlich nie vermisst haben. Und von allen Seiten schreit es dich an: “Kauf etwas! Das macht dich glücklich! Jetzt 50% reduziert!” Wenn wir aber genau darüber nachdenken, fällt durchaus auf: Zur Hälfte sind unsere eigenen Denkmuster schuld an der Misere.

100% Rabatt – wenn man es nicht kauft

Joshua Fields Millburn hat es folgendermaßen ausgedrückt (frei übersetzt): “Alles ist 100% preisreduziert, wenn du es nicht kaufst!” Und damit hat er absolut recht.

Brauche ich denn wirklich einen neuen Staubsauger, solange der Alte noch funktioniert? Ich kann euch bei der Gelegenheit auch direkt beruhigen, falls er mal kaputt geht: Es ist nicht der Weltuntergang, wenn man mal eine oder auch zwei Wochen nicht staubsaugen kann.

In den 1990er Jahren hat Dieter Nuhr einmal folgende Sätze gesagt:

“Haben Sie eigentlich schon einen Wok? Also ich hab noch keinen Wok – Ich will auch keinen Wok! Ich habe auch noch nie einen Wok verschenkt. Falls hier irgendjemand auf die Idee kommen sollte, mir einen Wok schenken zu wollen – ich habe allein 6 heiße Steine! Ich stapel die so im Schrank auf über den Raclettes; neben den Fondue-Sets.”

Dieter Nuhr – „Nuhr am Nörgeln“

Was uns zeigt – irgendwann ist man versorgt.

Ein Minimalist fragt wahrscheinlich eher: “Was ist nicht wichtig?”

Am Ende kommt man zu dem Ergebnis, dass man sich einen Haufen Zeug angeschafft hat, nur um ihn einen Tages in einer Ecke eingestaubt vorzufinden und ihn dann wegzuwerfen. Am besten kommt man gar nicht in die Situation, dass man Ausmisten und Entrümpeln muss. Aus diesem Grund ist die essenzielle Frage eigentlich: “Was schaffe ich mir überhaupt an und worauf verzichte ich bewusst?”

Wir machen an dieser Stelle eine kleine Reise ins Jahr 2000: Als ich 18 war, habe ich mehrere 100 DM ausgegeben, um mir ein top angesagtes Handy zu kaufen. Das Nokia 3210 – heute im besten Fall noch ein Museumsstück. Und während ich aus dem Laden ging, genoss ich den Orgasmus soeben ausgegebenen Geldes. Doch bereits am nächsten Tag war der Rausch dahin. Ich nahm mein Handy in die Hand und realisierte: “Ich bin kein anderer Mensch geworden, sondern immer noch derselbe”

Was ist den meisten Menschen wichtig?

Der Mensch an sich ist offenbar angetrieben vom Wunsch, irgendeine Art des Wohlstands anzusammeln. Das kann in erster Linie Geld sein, die naheliegendste Form von Wohlstand – nämlich der Materielle. Für wieder andere ist es Macht, Einfluss oder Kontrolle – sei es in einer großen oder kleinen Gruppe oder Gemeinschaft und egal ob Wirtschaft, Politik oder der Sportverein. Was fließend zum dritten Punkt leitet: Ansehen oder auch Ruhm. Die Frage “Was denken andere über mich?” – Es gibt eine große Zahl von Menschen, die lieber verhungern würden, als die Nachbarn denken zu lassen, sie hätten Geldsorgen.

Mir ist bewusst, dass es Menschen gibt, die in diesen Dingen ihre Erfüllung finden. Und ich würde niemals jemandem raten entgegen seinen Zielen zu handeln. Die genannten “Reichtümer” haben jedoch auch ein paar Nachteile.

An erster Stelle sind sie vergänglich – und das mehr als man erst einmal denkt. Sie können wirklich von einem Tag auf den anderen weg sein. Eine Insolvenz / eine vermasselte Abstimmung  / ein Shitstorm später steht der oder diejenige plötzlich vor dem Nichts.

Hinzu kommt, ab einem gewissen Grad bilden viele Dinge keine Bereicherung für das eigene Leben mehr. Ob ich 100 oder 110 Milliarden besitze, spielt kaum eine Rolle und wenn ich nur noch verkleidet einkaufen gehen kann, habe ich noch zusätzlichen Aufwand.

Einer meiner wichtigen Schlüsselmomente, bevor ich Minimalist wurde

Ich kann nicht mehr genau sagen, wie ich zu dieser Erkenntnis kam, aber eine der wegweisenden war sicherlich: “Egal wie viel oder wenig Zeit du zu haben glaubst – in ihrer Gesamtheit ist sie begrenzt.” Man verwendet Zeit darauf bestimmte Dinge anzuschaffen, die man vielleicht nie benutzt. Eines Tages verwendet man nochmal Zeit darauf auszumisten, was wirklich viel Zeit in Anspruch nehmen kann. Nicht zu vergessen, dass der ganze Kram Raum belegt, mit dem man entweder andere Aktivitäten möglich machen könnte oder man könnte in Wahrheit mit weniger Raum auskommen.

Mit genau diesen Gedanken habe ich mich vor inzwischen langer Zeit befasst und bin zu folgender Frage gekommen: “Welche Dinge kann ich niemals verlieren? Welche Dinge werden größer wenn man sie teilt?”

Und die Antworten darauf sind so erstaunlich schlicht, dass jeder darauf kommen kann: Meine Fähigkeiten, mein Wissen, meine Erinnerungen und meine Erfahrungen. Es sind alles Dinge, die ich mit anderen teilen kann, ohne dass mir etwas verloren geht. Eben das, was mich wirklich als Person ausmacht, und mein Leben ein Stück weit definiert.

Die Wünsche meiner Kindheit, die Resultate jetzt

Hier ein Beispiel: Ich wollte schon in meiner Kindheit unbedingt zeichnen können. Als der Grobmotoriker, der ich bin, scheiterte ich aber wieder und wieder und wieder. und trotzdem habe ich die Idee an sich immer wieder aufgegriffen, was schlussendlich zu den Artikelbildern geführt hat, die ihr alle hier im Blog anschauen könnt.

Natürlich bin ich kein Picasso oder Van Gogh 😉 Aber ich habe nie aufgegeben; und ich habe Dinge über mich selbst gelernt. Und zu sehen wie früher oder später etwas entsteht, was man mit anderen teilen kann, gibt mir das Gefühl etwas Gutes mit meiner Zeit getan zu haben.

Sicher: Ich hätte dafür zwei Stunden länger im Büro bleiben können; für mehr Geld und die Hoffnung auf eine Beförderung. Oder ich hätte die Zeit mit Shopping verbringen können, um das nächste “die-Nachbarn-total-neidisch-machende” Schnäppchen kaufen zu können.

Macht es mich morgen noch glücklich? Spielt es dann überhaupt noch eine Rolle für die Person, die ich bin? Wenn ich aber zeichne, Gitarre spiele oder auch an diesem Text hier schreibe, dann mache nicht nur ich etwas, sondern es macht auch etwas mit mir.

Das was einen am Ende zu der Person macht, die man ist, ist sicherlich nicht ihr Besitz – sondern die Art wie man lebt und handelt. Das allein sollte Grund genug sein, sich sehr gut zu überlegen, was man wirklich von sich selbst erwartet und sehr pfleglich mit seinen eigenen Ressourcen umzugehen.

Was mir am Ende wichtig ist – Minimalist oder nicht, egal

Womit ich zu meinem persönlichen Fazit zum Anlass von Freddys und Janis Blogparade komme: Ich möchte etwas beitragen, was andere bewegt und zum Nachdenken bringt. Mir ist am wichtigsten, mich mit Dingen beschäftigen zu können, die anregen und die eigenen Gedanken in Bewegung bringen. 

Es müssen auch nicht immer Bücher sein! ich habe nichts gegen Filme und Serien, wenn sie denn eine Tiefe haben, über die man mal bei einem Glas Wein philosophieren kann. Und ich habe erst recht nichts gegen Games; ich bin leidenschaftlicher Gamer und mache daraus kein Geheimnis. Ich wünsche mir aber beim Spielen auch ein Erlebnis, das mir die gleiche Gänsehaut verschafft wie ein gut inszeniertes Theaterstück oder ein wirklich mitreißendes Buch.

Lerne etwas, und du lernst immer auch etwas über dich selbst. Teile deine Erkenntnisse mit anderen, und du wirst daran wachsen.

Thomas

3 Gedanken zu „Was mir als Minimalist wichtig ist [nochsoein.blog – Blogparade]

  1. Jani.

    Lieber Thomas,

    ganz lieben Dank für deine ausführliche und tiergehende Antwort auf unseren Blumenstrauß an Fragen! <3

    Lieben Gruß,
    Jani

    1. genug team

      Liebe Jani,
      ich hoffe die Wortwahl stört nicht 😀 Es ist wirklich eine gute Erfahrung gewesen sich mit den Fragen einmal ganz bewusst auseinanderzusetzen.
      Liebe Grüße,
      Thomas

  2. Pingback: Minimalismus und Nachhaltigkeit - Ein harmonisches Duett | genug.

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