Unser Minimalismus ABC

Unser Minimalismus ABC

Auf seinem Blog einfachbewusst hat Christof Herrmann ein Minimalismus-ABC veröffentlicht, das die Kernprinzipien von Minimalismus einfach schön auf den Punkt bringt. Mittlerweile haben bereits einige andere Blogger ein Minimalismus ABC aus ihrer eigenen Perspektive beigesteuert. Uns hat positiv überrascht, wie einzigartig doch alle sind. Deshalb haben auch wir uns heute Gedanken gemacht, was Minimalismus für uns persönlich bedeutet!

Minimalismus von A bis Z

A – Anfangs nicht übertreiben

Wer mit Minimalismus anfangen will, muss nicht direkt wie im Rausch seine gesamte Wohnung ausmisten. Es gibt immer Gegenstände, mit denen man schöne Erinnerungen verbindet, obwohl man sie länger nicht genutzt hat. Sowas dürfen auch Minimalisten behalten.

B – Bewusster Konsum

Nach dem Ausmisten ist oft vor dem Ausmisten, weil es gar nicht so leicht ist, das eigene Konsumverhalten grundlegend zu ändern. Es hilft sich sich den eigenen Konsum bewusst zu machen, indem man das Bezahlen weniger bequem macht. Man kann zum Beispiel im Geschäft grundsätzlich mit Bargeld statt mit Karte zahlen und auch im Internet die Zahlungsdaten jedes Mal aufs Neue manuell eingeben statt einspeichern.

C – Charakterstärke

Minimalismus ist ein alternativer Lebensstil und nicht jeder im sozialen Umfeld kann sofort nachvollziehen, was minimalistisch leben bedeutet und warum man sich dafür entschieden hat. Es erfordert deshalb Charakterstärke zu seinem Lebensstil zu stehen. Wenn man zum Beispiel der Familie erklärt, dass man mit dem übermäßigen Konsum an Weihnachten nicht mehr so viel anfangen kann.

D – Digital Detox

Für uns ist digitaler Minimalismus eine natürliche Ergänzung zum Minimalismus in unserem Offline-Leben. Die eigene Wohnung ausmisten, aber dann online von unwichtigen E-mail-Newslettern und Benachrichtigungen aus sozialen Medien bombardiert werden? Darauf haben wir keine Lust, deshalb geben wir uns regelmäßig Mühe die versteckten Einstellungen zum Abbestellen von Newslettern oder Deaktivieren von Benachrichtigungen zu finden.

E – eBooks lesen

Bücher ausmisten gehörte für uns zu den schwierigsten Dingen überhaupt. Wir hängen sehr an unseren Lieblingsbüchern und verzichten auch bis heute nicht auf unsere Lieblingsexemplare im Regal. Gleichzeitig gibt es aber auch immer diese Bücher, die man nur einmal liest und dann verstauben sie im Regal. Um das zu vermeiden, sind wir auf eBooks umgestiegen. Durch das handliche Format lesen wir sogar deutlich mehr als vorher. Ich nutze zum Beispiel immer morgens die Zeit im Zug zum Lesen, während ich mir früher 3 Mal überlegt habe, ob ich den dicken Wälzer heute wirklich mitschleppen möchte.

F – Fokus aufs Wesentliche

Viel zu oft wird Minimalismus als Verzicht verstanden. Dabei geht es eigentlich nur darum, sich von unnötigem Ballast zu befreien, um sich wieder mehr aufs Wesentliche fokussieren zu können. Und zwar auf das, was einem persönlich wichtig ist. Für uns heißt das zum Beispiel mehr Zeit für unsere Beziehung, Familie und Freunde zu schaffen. 

G – Gewohnheiten bilden

Gewohnheiten helfen uns mit dem Stress im Alltag besser zurechtzukommen. Wer seinen Haustürschlüssel jeden Tag nach Feierabend auf einen festen Platz legt, stresst sich am nächsten Morgen nicht ständig damit nach dem Schlüssel zu suchen. Genauso kommt man mit der Reizflut beim Einkaufen besser zurecht, wenn man genau weiß, welche Müslisorte man jeden Tag isst. Das heißt natürlich nicht, dass man nie Abwechslung in sein Leben bringen darf.  

H – Hier und Jetzt leben

Sich übermäßig Sorgen über die Zukunft machen oder Fehlern aus der Vergangenheit nachhängen – beides hält uns davon ab, das Hier und Jetzt bewusst wahrzunehmen. Man kann die Zukunft nicht in allen Punkten voraussehen und die Vergangenheit nicht mehr ändern. Es hilft deshalb, die Gedanken auf die Gegenwart zu fokussieren, in der wir durch unsere Taten noch etwas bewegen können.

I – Innere Einstellung

Viele entscheiden sich für Minimalismus, da sich dieser Lebensstil gut mit der eigenen inneren Einstellung verbinden lässt. Für uns kam aber eigentlich erst das Interesse an Minimalismus und dann eine Änderung der inneren Einstellung. Wir haben uns zum Beispiel vorher noch nie so bewusst mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigt. Nach der ersten großen Ausmist-Aktion sah das dann anders aus. Es hat uns zu Denken gegeben, wie viele Dinge man eigentlich im Laufe seines Lebens anhäuft, die sich dann auch noch schwer verkaufen, verschenken oder entsorgen lassen.

J – Jeden Tag eine kleine Auszeit

Im hektischen Alltag ist es oft schwierig inne zu halten und tatsächlich mal für einen Moment zu entspannen. Das fällt leichter, wenn man ein kleines Morgen- oder Abendritual daraus macht. Sei es am Morgen aufstehen, bevor der ganze Trubel losgeht und in Ruhe die erste Tasse Kaffee genießen. Oder am Abend eine Tasse Tee trinken und vielleicht ein Kapitel zu lesen bevor man ins Bett geht. 

K – Konsumverhalten überdenken

Ausmisten und dann? Wer langfristig minimalistisch leben möchte, sollte das eigene Konsumverhalten einmal kritisch hinterfragen. Bin ich besonders anfällig für Spontankäufe? Bestelle ich ständig irgendetwas Online per One-Klick-Funktion? Kann ich bei den neuesten Fashion Trends einfach nicht nein sagen? Das eigene Verhalten zu durchschauen ist der erste Schritt, um etwas ändern zu können.

L – Leihen statt kaufen

Weg von “haben ist besser als brauchen” hin zu “leihen ist besser als neu kaufen”. Ganz gleich, ob es um die Bohrmaschine, den Tapeziertisch oder den Spargeltopf geht – all diese Gegenstände haben gemeinsam, dass man sie nur ganz selten mal braucht. Statt immer alles für den Notfall im Keller einzulagern, kann man im Fall aller Fälle auch einfach bei Familie, Freunden oder in der Nachbarschaft rumfragen. Funktioniert natürlich nicht mehr so gut, wenn alle zu Minimalisten geworden sind.

M – Mehr Zeit für Familie und Freunde

Warum machen wir diesen ganzen Minimalismus eigentlich? Materielle Gegenstände aussuchen, kaufen, nutzen, pflegen, reinigen, reparieren und entsorgen kostet jede Menge Zeit und Geld. Wir denken, dass beides besser in gemeinsame Erlebnisse mit dem Familie und Freunden investiert ist.

N – Naturverbundenheit

Wenn wir mal wieder ein Wochenende mit Netflix und Computerspielen verbracht haben – also ganz und gar nicht minimalistisch – vergeht die Zeit für uns wie im Flug. Am Ende des Wochenendes sind wir nicht mal richtig entspannt. Für uns vergeht Zeit gänzlich anders, wenn wir sie draußen in der Natur verbringen. Selbst eine halbe Stunde Spaziergang draußen in den Feldern fühlt sich direkt wie richtig wertige Zeit zu Zweit an.

O – Ordnungsliebe

Wir wissen nicht, ob das allen Minimalisten so geht. Aber für uns fühlen sich freie Oberflächen in der Wohnung nicht karg und ungemütlich an. Wir finden das einfach schön ordentlich und mögen es, wenn alles seinen festen Platz hat. 

P – Prioritäten setzen

Man kann nicht alles auf einmal erledigen. Und meistens haben wir sowohl privat als auch beruflich deutlich mehr auf unserer ToDo-Liste als wir realistisch an einem Tag erledigen könnten. Statt sich davon überwältigen und stressen zu lassen, hilft es sich am Abend vorher auf die 3 wichtigsten ToDos für den nächsten Tag festzulegen. 

Q – Qualität statt Quantität

Wir haben letztens einem Arbeitskollegen von unserem Minimalismus-Blog erzählt und seine erste Reaktion war: “Und was ist, wenn ich mir nunmal ab und zu was richtig Teures kaufen will?” Es ist ein Irrglaube, dass Minimalisten kein Geld ausgeben. Häufig besitzen Minimalisten zwar weniger Dinge, legen aber mehr Wert auf Qualität. Zum Beispiel geben wir mehr Geld für hochwertige und langlebige Kleidung sowie Elektronikgeräte aus.

R – Reizflut reduzieren

In der Welt heutzutage ist einfach zu viel los. So viele Menschen unterwegs, so viele Autos auf den Straßen, so viel Auswahl im Supermarkt, so viel Werbung an jeder Ecke, so viel Lärm um uns herum. Man kann sich der Reizflut leider nicht vollends entziehen. Aber zumindest ein paar kleine Maßnahmen gibt es: Öffentliche Verkehrsmittel mit Noise-Cancelling-Kopfhörern nutzen, einen Supermarkt nie ohne Einkaufsliste betreten und auf dem Handy möglichst viele App-Benachrichtigungen deaktivieren. 

S – Stille genießen

Dieser Punkt hängt stark mit dem vorherigen Punkt zusammen. Wir merken heute oft gar nicht mehr, wie laut es um uns herum eigentlich ist. Ich fahre häufig mit dem Zug und habe mir angewöhnt dabei immer Noise-Cancelling-Kopfhörer zu tragen. Dabei höre ich nichtmal Musik, sondern habe einfach nur die Kopfhörer auf, um ein bisschen Stille zu genießen. Wenn ich die Kopfhörer dann am Ende der Fahrt abnehme, merke ich erst, wie unvorstellbar laut die Umgebung eigentlich ist. Kaum vorstellbar, dass man diesen Lärm die meiste Zeit des Tages wie selbstverständlich wahrnimmt.

T – Tiny House bauen

Unser größter Traum: Eines Tages zusammen ein Tiny House in Norwegen an einem kleinen Bergsee bauen und uns dort selbst versorgen. Am Ende versorgen wir uns vielleicht doch nicht selbst und vielleicht wird es doch eher ein Haus in Deutschland oder ein ganz normales Haus oder eine Mietswohnung – Hauptsache zusammen!

U – Unifarbene Kleidung

Wir beide haben schon immer gerne schwarze Kleidung getragen. Das mag ein Stück weit natürlich mit unserer Vorliebe für Gothic zusammenhängen. Ein weiterer Grund ist aber auch, dass unifarbene Kleidung und insbesondere schwarze Kleidung einem am frühen Morgen viele Entscheidungen abnimmt. Wir haben unseren Kleiderschrank bewusst so zusammengestellt, dass sich eigentlich jedes Teil miteinander kombinieren lässt.

V – Verschenken und Spenden

Beim Ausmisten haben wir festgestellt, dass sich die meisten Dinge nicht einmal für wenig Geld verkaufen lassen. Egal wie viel Geld man einst selbst für Bücher, DVDs und CDs gezahlt hat – vor allem solche Dinge lassen sich heute nicht mehr zu Geld machen. Wir haben deshalb einiges an Freunde verschenkt und den Großteil an eine karitative Einrichtung gespendet. Man kann nun durchaus kritisch hinterfragen, ob wir das Problem damit nur weitergereicht haben. Vielleicht werden unsere Gegenstände dann bald von der nächsten Person nicht mehr genutzt. Aber fürs Erste fanden wir die Lösung nachhaltiger als alles direkt zu entsorgen.

W – Wiederholte Entscheidung

Minimalismus ist eine Entscheidung, die man immer wieder trifft. Einen minimalistischen Lebensstil hat man nicht einfach so nach einer einmaligen Ausmist-Aktion. Stattdessen entscheidet man sich immer wieder dafür durch eine schrittweise Veränderung im eigenen Konsumverhalten.

X – XMAS entspannt angehen

Früher war unser Weihnachten alles andere als stressfrei. An jedem Feiertag eine Stunde Hin- und Rückfahrt, um alle Familienmitglieder innerhalb der 3 Tage sehen zu können. Inzwischen gehen wir Weihnachten entspannter an. Wir verbringen Heiligabend zu zweit bei uns zu Hause und es gibt wirklich nichts Entspannteres. Zwischen Weihnachten und Neujahr besuchen wir unsere Familie, wenn sich die Lage auch da wieder entspannt hat. 

Y – Yoga am Morgen

Um gut durch den Tag zu kommen, finden wir besonders einen entspannten Start in den Tag wichtig. Ich persönlich nutze ganz gerne Gymondo, um mit ein bisschen entspannter Bewegung geschmeidiger in den Tag zu starten. Dabei suche ich mir ganz bewusst Kurse aus, die nicht so anspruchsvoll sind, damit die Entspannung im Vordergrund steht.

Z – Zeit statt Zeug

Für uns sind gemeinsame Erlebnisse viel wertvoller als materielle Gegenstände. Besonders schön finden wir deshalb das Projekt Zeit statt Zeug. Dort findet ihr Erlebnis-Gutscheine wie “Pilze sammeln statt Pralinen” oder “Fußballspielen statt Konsole”, die sich prima für einen Minimalismus-Adventskalender eignen. Auch zu anderen Anlässen wie Geburtstagen oder Weihnachten schenken wir inzwischen lieber gemeinsame Zeit. Denn am Ende unseres Lebens sind es wahrscheinlich genau diese Erlebnisse, die uns in Erinnerung bleiben.

Wir sind neugierig, was du denkst! Was ist dein Lieblingsbuchstabe aus unserem Minimalismus ABC? Was bedeutet Minimalismus für dich persönlich? Schreib uns deine Gedanken doch in einem Kommentar!

Jennifer & Thomas

6 Gedanken zu „Unser Minimalismus ABC

  1. Pingback: Alle #MinimalismusABC-Artikel unterschiedlicher Blogger

  2. Jani.

    Klasse! Ich stimme euch in so viele Punkten zu und bin zugleich überrascht, wie anders eure Aufteilung ist (die ich aber so unterschreiben könnte). 😀 danke!

    1. genug team

      Ja, das hat uns auch überrascht! Nachdem wir das ABC von Christof gelesen haben, wollten wir uns nicht direkt beeinflussen lassen. Wir haben deshalb zuerst unsere Ideen für die Buchstaben gesammelt und dann erst alle anderen ABCs angeguckt. Aber bis auf im Punkt „Q wie Qualität statt Quantität“ sind echt alle ziemlich unterschiedlich 🙂 Finden wir ganz schön. Das zeigt, dass es für Minimalismus nicht so starre Regeln gibt, sondern jeder da seine eigene Lebensweise findet!

  3. Pingback: Das Abc des Minimalismus | widerstandistzweckmaessig

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