Kann ich durch Minimalismus einfacher leben?

Minimalismus einfacher leben

Minimalismus als Lebensweise ist einfach?

Zunächst mal wird Minimalismus immer mit einem einfachen Leben in Verbindung gebracht oder sogar gleichgesetzt.
Das kann allerdings auch in die Irre führen.
Manche Menschen denken bei einem einfachen Leben an Verzicht und Enthaltsamkeit. Diese Werte sind jedoch eigenständig und auf keinen Fall ein Zwang für jeden Minimalisten.
Verzicht bedeutet üblicherweise, sich etwas nicht zu gestatten, was einem eigentlich schon auf irgendeine Art wichtig ist.
Was diesen Punkt angeht, will der Minimalist genau das nicht.

Der Minimalist will mehr.

Es geht ihm um mehr Freiraum, mehr Zeit und mehr Fokus auf die Ihm wichtigen Dinge – das Leben zu vereinfachen. Ob dir Enthaltsamkeit dann am wichtigsten ist, entscheidest du ganz allein für dich selbst.
Du wirst einige Dinge haben wo du direkt weißt, dass du auf keinen Fall darauf verzichten willst. Sei es der Besuch im Kino, der jährliche Urlaub, oder ganz schlicht das Frühstück. Vielleicht ist dir aber auch schon klar, dass du das TV in deinem Schlafzimmer fast nie benutzt.
Und genau um solche Unterschiede geht es.

Sehen wir uns einmal ein minimalismus-typisches Badezimmer an.

Hier finden sich üblicherweise je ein:

  • Duschgel
  • Shampoo
  • Seife
  • Zahnpasta
  • Zahnbürste
  • Handtücher (3 bis 4)
  • Reiniger (möglicherweise 2 verschiedene)
  • Creme
  • Ein Satz Makeup (unter Umständen)

Einrichtung lassen wir hier mal außen vor.

Tatsache ist: wenn das ausgiebige Bad am Wochenende zu deinen wertvollsten Momenten der Woche gehört, ist es völlig normal, dass du auch eine gewisse Auswahl an Utensilien dafür hast.
Und die sollte und will dir auch keiner wegnehmen. Schaff dir den nötigen Freiraum für dein Wellness-Bad, freu dich daran und genieße den Moment.

Minimalismus schafft dir Platz für das was dir wichtig ist.

Wenn wir bei diesem Beispiel bleiben, kann dir Minimalismus mehr Zeit für dein Bad geben. Du hast sie zuvor vielleicht schon beim Einkauf oder der Hausarbeit eingespart.
Oder du hast andere Aktivitäten gestrichen, weil dir die Zeit für deine Entspannung wichtiger ist. Verzichten tut der Minimalist immer dann, wenn ihm klar ist, dass etwas unwichtig oder kaum wichtig ist.
Natürlich sollte man dabei Rücksicht auf Menschen nehmen, die einem nahe stehen und wichtig sind. Kinder brauchen besondere Fürsorge, und als Minimalist werden sie auch sicher nicht geboren.

Alle Entscheidungen werden erst vorgezogen und zugleich ihre Anzahl reduziert.

Bleiben wir hier doch einfach mal im Badezimmer. Wenn ich nur ein Duschgel besitze, muss ich nie darüber nachdenken welches ich nehme. Ich musste mich nur einmal dagegen entscheiden ein zweites zu kaufen. In diesem Moment hat Minimalismus mein Leben vereinfacht. Vergleichen wir hier mal das Verhalten, jede Woche ein neues zu kaufen, ob ich es nun brauche oder nicht. Ich muss mich der Reizflut beim Einkaufen stellen und entscheiden, welches der vielen Duschgele ich nun kaufe. Am Ende des Tages muss ich zusätzlich noch entscheiden, welches ich benutze.
Natürlich kann man sich ein zweites als Reserve halten, wenn man sonst Gefahr läuft, dass es im ungünstigsten Moment leer ist. Man kann aber auch einen Strich mit Filzstift an die Seite der Flasche machen.

Hier finden wir genau das, wovon der Minimalismus uns befreien kann

Besitz ohne Gewinn oder auch Mehrwert.
Ich besitze jetzt zwar 16 verschiedene Duschgels aber in den seltensten Fällen dürfte jemand mehr als 2 Male am Tag duschen.
Bleibst du bei einem und eventuell noch einem als Reserve, so gewinnst du folgendes:
Du hast mehr Platz im Bad, die Entscheidung des Duschgels entfällt – im Grunde kannst du blind zugreifen, du gibst weniger Geld aus und Zeit für den Einkauf sparst du ebenfalls.
Dabei wird jeder seine eigenen Punkte haben wo er auf keinen Fall verzichten will, und welche wo er sofort und begeistert die Flut an Reizen reduzieren wird.
Und gerade hier spielen deine persönlichen Werte die größte Rolle.
Wenn du bemerkst, du wirst 3/4 deiner Bücher nie wieder lesen – denk darüber nach sie zu spenden oder zu verkaufen.

Reduziere die Flut

Die meiste Zeit bemerken wir gar nicht, wie sehr uns die ständige Übermacht an Reizen, Entscheidungen und Auswahl erdrückt.
Ich selbst habe das erst bemerkt, als ich in meiner Phase zwanghafter Selbstoptimierung zu einer wichtigen Einsicht kam.
Du bist wirklich dann mit einem bestimmten Punkt am besten, wenn du dich nur darauf konzentrierst und nichts anderes. Der Minimalismus vereinfacht die anderen Aspekte deines Lebens.
Speziell das ständige Messen und Vergleichen macht uns auf Dauer immer unzufriedener und frustrierter.
Die Energie, die uns das kostet, spreche ich hier lieber mal gar nicht an. Dabei sollte ich mich eigentlich nur ganz schlicht mit der Frage befassen: “Habe ich alles was ich brauche?” und zufrieden sein wenn ich diese Frage mit “Ja” beantworten kann.
Und wenn ich etwas eigentlich gar nicht brauche, warum dann nicht verkaufen, verschenken oder spenden?

Minimalismus vereinfacht mein Leben

Ich habe aufgehört mich damit zu beschäftigen was andere haben und tun. Die Frage “welches von den vielen” kommt nur noch bei Dingen vor die ich als meine Hobbies oder Lebensinhalte betrachte.
Und da setze ich mich gern hin und denke viel darüber nach, einfach weil es mir wichtig ist.
Der Einkauf beschränkt sich auf die Dinge, die wirklich fehlen und manchmal dem Schokoladen-Käse-Kuchen der vermutlich jeden glücklich machen würde.
Am wichtigsten ist aber folgendes: Ich mache mir viel weniger Gedanken, erst recht keine über komplett unwichtige Fragen. Befassen tue ich mich lieber mit den wenigen Dingen die mir am Herzen liegen und das ist einfach.

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