Minimalismus als Lebensstil

Minimalismus als Lebensstil

Oder anders gefragt: Worum geht es eigentlich, wenn man minimalistisch lebt? Zunächst mal war der Weg zu einem minimalistischen Lebensstil für mich ein eher fließender Übergang. Es war nie so, dass ich eines Morgens aufgewacht bin und beschlossen habe: Ab jetzt bin ich Minimalist!

Tatsächlich begann alles mit meinem Drang, immer mehr in immer weniger Zeit erledigen zu wollen. Das führte dazu, dass ich hinterfragt habe, was wirklich sein muss und was nicht.

Es beginnt schon mit einem völlig überfüllten Kühlschrank. Wer hat noch nie erlebt, dass er nach einem Einkauf Mühe hatte alles im Kühlschrank unter zu bringen? Passiert insbesondere, wenn man hungrig einkaufen war.

Und dann stellt man nach 2 Wochen fest: Vieles ist schon schlecht geworden. Sowas ist traurig, frustrierend und vor allem sinnlos.

  • Ich habe Zeit dafür aufgewendet, um alles zu kaufen
  • Ich habe Geld dafür ausgegeben (das wiederum irgendwo her kommen muss)
  • Ich verbringe Zeit damit, mich über verdorbene Lebensmittel zu ärgern 
  • Ich muss sie in den Müll bringen (den ich ebenfalls bezahlen muss)
  • und ich belaste damit die Umwelt

Die minimalistische Lösung

Durch einen minimalistischen Lebensstil können wir diesen Umstand bereits im Ansatz vermeiden: Wir stellen uns die konkrete Frage, was wir wirklich in einem Zeitraum von z.B. einer Woche brauchen.

Wer mit Minimalismus anfangen will, ist hier allerdings oft zu streng mit sich selbst. Sicher kann man sich mit Brot und einem Belag nach Wahl eine Woche lang ernähren. Aber möchte man das? Wir reden hier eben nicht davon sich ein Leben zu schaffen, das enthaltsam und monoton ist. 

Minimalismus als Lebensstil bedeutet, …

… sich Dinge abzugewöhnen, die überflüssig sind oder mehr belasten als nutzen. Und wenn ich Kirschen essen möchte, werde ich mir sicher welche holen. Allerdings auch nur so viele, wie ich wirklich essen will und kann. Darauf kommt es an.

Ähnlich verhält es sich mit dem Aussortieren in der eigenen Wohnung. Wer beginnt sich mit Minimalismus als Lebensstil zu beschäftigen, gerät schnell in die Versuchung einfach so viel wie möglich zu entsorgen, spenden oder verschenken. Das ist aber gar nicht Sinn der Sache.

Jeder besitzt Dinge, die andere als Luxus ansehen. Einige Minimalisten schwören auf die komplette Verbannung des TVs aus den eigenen vier Wänden. Ich würde eher sagen, mehr als ein Fernseher ist übertrieben. Aber aus meiner Sicht spricht nichts dagegen, es sich an einem verregneten Novembertag bei einem guten Film gemütlich zu machen.

Nicht vergessen: Wir wollen unsere Lebensqualität erhöhen und nicht reduzieren.

Man beschließt nicht: Ab morgen bin ich Minimalist

Womit wir wieder bei diesem Punkt angelangt sind. Manch einer mag es tatsächlich auf diese Weise beschlossen haben. Viel wichtiger ist jedoch das eigene Handeln bewusster zu beobachten und sorgfältig zu prüfen:

  • Was brauche ich wirklich?
  • Wie viel brauche ich wirklich?
  • Was ist mir jetzt gerade am wichtigsten?
  • Was ist mir langfristig am wichtigsten?
  • Was ist notwendig, damit auch morgen einfach und angenehm wird?

Ein dauerhaftes Experiment

So betrachte ich eine minimalistische Lebensweise meistens. Ich prüfe, was man sich von vornherein sparen kann. Und es hilft einen Punkt zu wählen, wo es offensichtlich leicht fällt. 

Duschgel und Co. bekomme ich beispielsweise von der weitläufigen Verwandtschaft zu so ziemlich jedem passenden und auch unpassenden Anlass geschenkt. Ich werde vermutlich niemals selbst etwas davon kaufen müssen – also tue ich das auch nur sehr selten, wenn etwas ganz Bestimmtes fehlt.

Im Verlauf der letzten 12 Monate habe ich diverse Möbelstücke entsorgt und durch deutlich praktischere ersetzt. Ja! Wir reden hier eben nicht davon, am Ende nur noch eine Matratze auf dem Boden zu besitzen.

Jedenfalls bin ich sehr glücklich mit den neuen Möbeln, da sie mehr Oberfläche und sinnvollen Stauraum bieten, aber dabei auch schlichter gestaltet sind. Wenn man sich hier noch diszipliniert, nur das wirklich Essenzielle auf den Oberflächen zu platzieren, entsteht ein beruhigendes Gesamtbild. Darüber hinaus hat man sofort alles griffbereit, was man täglich braucht.

Im Idealfall hat wirklich alles seinen festen Platz. Wenn man hier einen Monat lang wirklich keine Ausnahmen zulässt, kann man z.B. Autoschlüssel, Papiere und ähnliche Dinge in einem fließenden Vorgang einstecken – sogar ohne Licht!

Minimalistische Deko

Wenn man nach Minimalismus als Lebensstil googelt, entsteht der Eindruck, dass in einer minimalistischen Wohnung nur weiße Möbel und einzelne Blumen als Deko erlaubt sind. Ich muss allerdings zugeben, dass ich von Blumen im Haus nichts halte – sie sind einfach im Garten, Vorgarten oder der freien Natur besser aufgehoben.

In der Wohnung verursachen sie Arbeit, nehmen Platz weg, Schnittblumen verwelken und Topfpflanzen können ebenfalls eingehen. Dazu gesellt sich das regelmäßige Gießen, Düngen, Umtopfen und Ähnliches.

Ich höre allerdings von manchen Leuten, dass sie gerade bei diesen Aktivitäten Entspannung, Ruhe und Ausgeglichenheit empfinden. Und in diesem Fall würde ich sicher auch nicht darauf verzichten.

So haben andere ihren Sport, ihre Reisen oder ihre Briefmarkensammlung. All solche Dinge sind mit Zeit und Aufwand verbunden, sicher. Aber wenn ich nicht für die Dinge lebe, die mir am wichtigsten sind, wofür dann?

Minimalismus ist meine Art zu leben, aber definiert mich nicht

Und dieser Punkt ist sehr wichtig – man denkt zu schnell an ultimativen Verzicht. Aber das was mich definiert sind meine Prioritäten:

  • Das können Partner, Kinder und Familie im Allgemeinen sein
  • Zeit mit guten Freunden
  • das liebste Hobby, dem man nachgeht
  • für manche ist es die Karriere oder sogar die Selbstständigkeit
  • bei Frugalisten der Ruhestand mit 35
  • und vieles mehr

Der Minimalismus als Lebensstil hilft mir, mich auf die wichtigsten meiner Werte zu konzentrieren. Mich daran zu erinnern pfleglich mit den eigenen Ressourcen umzugehen. Ja, Nachhaltigkeit beginnt im kleinsten Kreis bei einem selbst!

Täglich eine Idee

Das ist mein Ansatz – egal ob es sich um Kleidungsstücke, die nächste Mahlzeit oder das nächste Möbelstück dreht. Ich teste jeden Tag etwas aus, das mein Leben ein Stück einfacher macht und dabei die Qualität erhöht.

Manchmal werfe ein Kleidungsstück weg und manchmal trinke ich einen Kaffee weniger oder ich reduziere die Artikel im Bad. Es sind die kleinen Dinge, mit denen wir uns jeden Tag befassen, die auf lange Sicht den Unterschied machen. Der Minimalismus kann uns bei jeder kleinen Entscheidung begleiten, wenn wir das wollen.

genugteam-Autor: Thomas

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