Warum man nutzlose Gegenstände nicht grundsätzlich wegwerfen sollte

Minimalist wird man nicht von jetzt auf gleich. Es gibt viele gute Gründe, die für ein minimalistisches Leben sprechen, aber sein bisheriges Leben vollkommen umzukrempeln ist nicht so leicht. Für den Anfang entscheiden sich viele, erstmal ihre Wohnung ordentlich zu entrümpeln. So war das auch bei mir.

Ich bin als Studentin in eine 23 qm Wohnung gezogen und dort bis heute geblieben. Da ich eine Fernbeziehung führe und auch beruflich viel unterwegs bin, brauche ich eigentlich nicht mehr. Gerade in so einer kleinen Wohnung fühlt man sich aber auch schnell unwohl, wenn sich über die Zeit immer mehr Zeug ansammelt.

Brauche ich das noch?

Ich fing also an Schrank für Schrank, Regal für Regal und Schublade für Schublade durchzugehen. Ich nahm jedes Teil darin in die Hand und stellte mir lediglich folgende Fragen: Brauche ich das? Habe ich das im letzten Jahr überhaupt einmal gebraucht? Wie wahrscheinlich ist es, dass ich das Teil im nächsten Jahr brauchen werde?

Kaputte oder abgelaufene Gegenstände wanderten sofort in den Müll. Gut erhaltene Gegenstände legte ich in Kisten, um sie später zu verkaufen oder zu verschenken. Nach und nach wanderten CDs, DVDs, Bücher, PC-Spiele und vieles mehr in die Kisten.

Viele Medien konsumieren wir heute in digitaler Form

  • CDs brauche ich nicht mehr, denn Musik höre ich doch eh nur noch über Deezer.
  • DVDs und Blurays brauche ich nicht mehr, denn Filme und Serien gucke ich sowieso nur noch bei Netflix. 
  • Bücher brauche ich nicht mehr, denn zum Lesen habe ich mir letztens erst einen Kindle gekauft. 
  • PC-Spiele brauche ich nicht mehr, denn alle neueren befinden sich doch digital in meiner Steam-Library.

Musik-Streamingdienste, Video-Streamingdienste, E-Book-Reader und Internetvertriebsplattformen für Computerspiele machen physische Produkte unnötig.

Nach meiner radikalen Aufräumaktion sah ich mich in meiner Wohnung um. Und es machte mich traurig, all die leeren Regale zu sehen. Hier und da standen noch ein paar nützliche bzw. erforderliche Dinge wie Aktenordner, Büro-Utensilien, mein Sparschwein für Kleingeld, … Aber etwas fehlte. Ich fühlte mich nicht befreit, so wie ich es mir als Minimalist erhofft hatte, sondern deprimiert in meiner kargen Wohnung.

Physische Gegenstände sind häufig mit positiven Erinnerungen verbunden

Ich stöberte nochmal durch die Kisten und stellte fest, dass viele Gegenstände darin mit schönen Erinnerungen verbunden waren. Die Mittelalter-Folk CDs erinnerten mich an die vielen Wochenenden auf Mittelalterfestivals. Bei meinen Fantasy-Büchern dachte ich daran, wie ich mich als Kind die ganze Nacht mit einer Taschenlampe unter der Decke versteckt hatte, weil ich unbedingt noch erfahren wollte, wie die Geschichte ausgeht. Asiatische Kung-Fu-Filme hatten mich schon so oft zum Lachen gebracht. Die Fantasy-Welt aus meinem ersten PC-Spiel hatte mich so viele Stunden gefesselt.

Physische Gegenstände verleihen uns Identität

Ich dachte auch daran, wie meine Wohnung wohl auf Besucher wirken würde. Ohne all diese Gegenstände sagt meine Wohnung rein gar nichts über mich als Person aus. Wenn ich jemanden zum ersten Mal besuche, finde ich es immer interessant, welche Bücher, Filme oder Spiele derjenige mag. Man merkt direkt, ob man einen gemeinsamen Nenner hat und hat sofort Gesprächsstoff. Es machte mich irgendwie traurig, dass man mich wahrscheinlich für eine kalte, uninteressante Person ohne Hobbies halten würde.

Es gibt also scheinbar eine Menge Gegenstände, die durch die Digitalisierung rein theoretisch unnütz geworden sind. Dennoch sind viele dieser Gegenstände für uns mit positiven Erinnerungen verbunden und verleihen uns auch irgendwie Identität. Und das verleiht diesen Gegenständen auch wieder Nutzen, denn ihre digitalen Kopien können da nicht mithalten.

Nicht alle Gegenstände aus den Kisten wanderten wieder zurück in meine Regale, aber ich reflektierte darüber, welche Gegenstände mir wirklich etwas bedeuten und etwas über mich aussagen.

Das Wesentliche in Kürze

  • Das Aufbewahren von physischen Produkten wie CDs, DVDs, Blurays, Büchern und PC-Spielen ist durch ihre digitale Verfügbarkeit nicht mehr nötig
  • Auf dem Weg zum minimalistischen Leben sollten wir solche Gegenstände dennoch nicht wegwerfen, wenn sie für uns mit positiven Erinnerungen verbunden sind oder uns Identität verleihen

genugteam-Autor: Jennifer

2 Gedanken zu „Warum man nutzlose Gegenstände nicht grundsätzlich wegwerfen sollte

  1. Maria

    In letzter Zeit hört man den Namen schon viel zu häufig, doch hier passt er wunderbar: Marie Kondo. Sie is ebenfalls davon überzeugt, dass wir behalten sollten, was uns glücklich macht. Durch sie bin ich zum Minimalismus gekommen und dennoch sind meine Bücherregale immernoch voll.
    Doch, wie du schon sagst, bekommt die Wohnung so viel mehr Persönlichkeit, viel mehr von uns! Und für uns wird die Wohnung wohnlicher, da wir nur von Dingen umgeben sind, die wir persönlich schön finden. Es geht also beides 🙂

    1. genug team

      Hallo Maria 🙋

      habe mich sehr über deinen Kommentar gefreut 🙂 Finde Marie Kondos Ansatz auch sehr gut – jeden Gegenstand mal in die Hand zu nehmen und in sich hineinzuhorchen, ob der einem noch Freude bereitet.

      Gerade Bücher finde ich auch wirklich wichtig. Ich habe mir zwar einen eBook-Reader gekauft, weil der unterwegs praktischer ist. Ich überlege mir aber tatsächlich meine Lieblingsbücher dann auch in Zukunft zusätzlich noch als physisches Buch fürs Regal zu kaufen. Bereitet mir Freude 🙂

      Liebe Grüße,
      Jennifer

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